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Gestiegene Rohölpreise: Was kommt hier noch auf uns zu?

15 Juli 2019

Mit knapp 67 US-Dollar je Barrel Brent und über 60 US-Dollar für das Fass WTI erreichen die Ölpreise wieder den Stand von vor sechs bis sieben Wochen. Die OPEC+-Strategie scheint aufzugehen – allerdings spielen auch andere Faktoren eine Rolle.

Gekürzte Förderung durch OPEC+ und US-Lagerdaten

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und die als PLUS bezeichneten Partnerstaaten hatten sich Anfang Juli darauf geeinigt, an den gekürzten Förderkürzungen weitere neun Monate festzuhalten. Die Preise für das schwarze Gold reagierten, sie legten seither um über 8% zu. Allerdings erweist sich auch das Wetter als Preistreiber: Ein Tropensturm soll aus dem Golf von Mexico in Richtung USA ziehen, sodass einige Ölunternehmen bereits ihre Plattformen gesichert haben. Die Folge: Über 600.000 Barrel pro Tag fehlen. Der Golf von Mexiko nimmt angesichts des rund 17% umfassenden Anteils an der US-amerikanischen Ölproduktion, aber eben auch wegen größtenteils der an der dortigen Küste angesiedelten US-Verarbeitungskapazitäten einen hohen Stellenwert für die Versorgungslage ein.

Der Anstieg bei den Benzinpreisen fiel demzufolge noch stärker aus als bei Rohöl – und die hatten schon wegen der starken Abnahme der Rohöllagerbestände zugelegt: Schon der API hatte prognostiziert, dass die Bestände schrumpfen, die Realität von 9,5 Millionen Barrel übertraf dann sogar diese Erwartungen. Unter dem Strich heißt der seit vier Wochen anhaltende Rückgang, dass auch der Ölmarkt in den USA enger wird. Schon vor diesem Hintergrund sind weiter steigende Ölpreise mehr als wahrscheinlich.

Lunte am Pulverfass: Situation im Persischen Golf

Die Straße von Hormuz, die ohnehin das Nadelöhr in der globalen Ölversorgung darstellt, war offenbar Schauplatz eines Zwischenfalls, der vom Iran jedoch entschieden bestritten wird: Demnach sollen iranische Boote den Versuch gestartet haben, einen britischen Tanker bei der Passage der Straße von Hormuz zu behindern und diesen umzuleiten in iranische Gewässer. Nur dem Eingreifen eines britischen Kriegsschiffes, das sich wohl in der Nähe befunden hat, konnte Schlimmeres verhindert werden. Das iranische Vorgehen wird als Vergeltungsmaßnahme dafür eingeordnet, dass britische Streitkräfte zuvor einen Öltanker Irans aufgebracht hatten, weil dieser gegen geltende Sanktionen der EU verstoßen haben soll. Derzeit lässt sich der Wahrheitsgehalt kaum prüfen, eines wird jedoch klar: Die Lage ist ausgesprochen brisant, ein Funke könnte reichen, um die gesamte Region, die so wichtig für die internationale Versorgung mit Öl ist, zu erschüttern. Trotz leichter Rücksetzer sollten wir uns auf steigende Ölpreise einstellen – und das sowohl für Benzin als auch für Heizöl.