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Nach dem Sturm ist vor dem Sturm: Ölpreise ziehen deutlich an

8 September 2017

„Harvey“ ist gerade überstanden, da zieht schon „Irma“ ihre Schneisen der Verwüstung und hat „Katia“ und „Jose“ im Schlepptau. In die Ölpreise wurden entsprechende Risikoaufschläge eingepreist – steigende OPEC-Kapazitäten sorgen für den Gegendruck.

Schwacher US-Dollar und Unwetter – Preistreiber für Öl

Die aktuellen Ölpreise bewegen sich zum Ende dieser Handelswoche auf einem deutlich höheren Niveau: Die Sorte Brent kostet aktuell mehr als 54 US-Dollar für das Fass, WTI notiert um 49 US-Dollar je Barrel. Angesichts der äußeren Einflüsse halten sich die Preissteigerungen aber bislang noch in moderaten Grenzen. So war der Anstieg der Lagerbestände in den USA durchaus erwartet worden, denn die Raffinerien konnten ihre Kapazitäten zur zu knapp 80 Prozent auslasten – Harvey hatte hier für Ausfälle von rund 17 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gesorgt. Die Golfregion war besonders betroffen, hier arbeiteten die Raffinerien nur noch zu reichlich 63 Prozent.

Schon vor diesem Hintergrund war klar, dass die US-Bestände an Rohöl ansteigen mussten. Nun bleibt abzuwarten, wie die Raffinerien mit den Herausforderungen fertig werden, ein weiterer Anstieg der Lagerbestände ist nicht auszuschließen. Der höhere Ölpreis motiviert nämlich auch die US-Ölproduzenten dazu, ihren Ausstoß weiter auszubauen – und damit den Ölpreis wiederum nach unten zu drücken. Allerdings spielt das Wetter der Öl-Industrie in die Hände, Tropensturm „Irma“ tobt bereits, „Katia“ und „Jose“ rücken nach. Damit wird die ohnehin wegen den geplanten Wartungsarbeiten reduzierte Raffinerie-Kapazität weiter beeinträchtigt, was die Nachfrage nach Rohöl sinken lässt.

OPEC erneut unter Druck: Sahara-Ölfeld vor Wiedereröffnung

Die OPEC bemüht sich seit ihrem Beschluss am 30. November des letzten Jahres nach Kräften um eine Reduzierung der eigenen Förderquoten, allerdings halten sich die Mitglieder nur bedingt daran. Waren einige generell von den Restriktionen ausgenommen, wie beispielsweise der Iran, umgingen andere die Begrenzungen, um sich auf diese Weise neue Marktanteile zu sichern. Nun steht das libysche Ölfeld Sahara vor einem erneuten Produktionsstart, was die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen der OPEC vertiefen dürfte: Der Produktionsausfall hatte nämlich insbesondere den Preis für die Sorte Brent nach oben getrieben.

Die Ölpreise werden also einerseits von einem schwachen US-Dollar und den Einschränkungen in den US-Raffinerien nach oben getrieben. Andererseits sorgen die Ölproduzenten weltweit selbst mit einer Ausweitung der Förderung auf das Preisniveau, indem sie noch größere Mengen auf den Markt werfen. Eine nachhaltige Steigerung ist demnach nicht zu erwarten, sobald die Wirbelstürme abgezogen sind, dürften die Preise aller Wahrscheinlichkeit nach wieder etwas sinken.