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Öl – globaler Preiskrieg tobt

30 Oktober 2015

In den letzten Tagen waren sowohl Brent als auch WTI deutlich nach unten ausgebrochen, um sich daraufhin wieder zu erholen: Brent stieg auf über 49 US-Dollar je Barrel, für WTI ging es immerhin auf 46 US-Dollar für das Fass. Konnte Rohöl zunächst wegen der etwas niedriger als erwarteten US-Lagerbestände profitieren, dürfte die Ernüchterung schnell wieder einsetzen: Es fehlen klare Signale für einen Aufwärtstrend.

Die Charts – wichtige Marken

Von einer Entspannung kann bei Brent erst die Rede sein, wenn 50 und in der Folge 52 US-Dollar je Barrel erreicht werden, allerdings sind davor starke Widerstände zu durchbrechen. Die Unterstützungslinie verläuft bei 48 US-Dollar für das Fass – auf diesem Niveau bewegt sich der Preis für Brent aktuell. Auch WTI kämpft an der Unterstützungslinie bei 45 US-Dollar und muss mit Widerstand bei 46 US-Dollar je Fass rechnen. Schafft WTI diese Hürde, könnte es bis auf 47 US-Dollar für das Fass und in der Folge bis 49 US-Dollar pro Fass hinauf gehen – die Vorzeichen machen diese Entwicklung jedoch unwahrscheinlich.

Ölpreise und Inflation – der Kampf der FED um Teuerung

Die letzte Pressekonferenz der FED brachte keine erhellenden Nachrichten, der Zins bleibt niedrig – bis auf weiteres. Ein Blick auf die Inflationsdaten in den USA zeigt, dass die Teuerungsrate auf dem gewünschten Level rangieren würde, wenn die niedrigen Energiepreise nicht das Bild beeinflussen würden – nämlich bei rund zwei Prozent. Aktuell bewirkt die Geldpolitik allerdings, dass ein globales Überangebot geschaffen wird: Sowohl Saudi-Arabien als auch der Irak überziehen den Markt mit einer Ölschwemme, die weit über die Quoten bei der OPEC hinausgeht. Ging es zunächst darum, die Tight-Oil-Produzenten in den USA – und so ganz nebenbei Russland – unter Druck zu setzen, tobt nun ein komplexer Kampf in und mit der OPEC: Es geht um Preise, Margen und Volumen, wenn Saudi-Arabien sich beispielsweise in Polen mit Vorzugskonditionen beliebt macht.

Selbst die OPEC-Mitgliedsstaaten unterbieten sich gegenseitig mit Rabatten, um neue strategische Handelsbeziehungen aufzubauen. Ein Grund dafür dürfte in der Erweiterung des Suez-Kanals liegen, ein anderer in den Sanktionen gegen die Russische Föderation. Bedenklich ist, dass die Auseinandersetzungen zunehmen auch militärisch ausgetragen werden und hier ergeben sich vollkommen neue Konstellationen: Irak, Iran und Russland stehen auf derselben Seite – die Verhältnisse verschieben sich. Allerdings wird vor dem Hintergrund des enormen Angebots eine Erholung im Ölpreis in absehbarer Zeit immer unwahrscheinlicher – die Niedrigzinspolitik befeuert diese Entwicklung zusätzlich.