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Ölpreis auf Höhenflug: Strohfeuer oder nachhaltiger Trend?

3 November 2017

Der Sprung über die Marke von 60 US-Dollar je Barrel Brent scheint ebenso wie das Reißen der Marke von 54 US-Dollar je Barrel WTI eine neue Etappe in der Ölpreisentwicklung auszumachen. Allerdings steht dieser Trend auf wackeligen Füßen.

Lagerdaten und Produktionsquoten – die Sicht der Marktteilnehmer

Die API-Prognosen trieben in dieser Handelswoche die Ölpreise nach oben: Brent stieg auf 61,70 US-Dollar für das Fass, WTI erreichte 55,24 US-Dollar je Barrel. Grund war der vermutete deutliche US-Lagerabbau von Rohöl und Ölprodukten, aber auch die OPEC hatte ihren Anteil. Deren Produktion war um 80.000 Barrel täglich gefallen, was in erster Linie dem Kurdenkonflikt im Irak geschuldet ist. Die Lieferunterbrechungen sorgten dort für eine Produktionskürzung um 120.000 Barrel täglich – zumindest vorübergehend. Gleichzeitig wurde nämlich die Aktivierung eines neuen Terminals gemeldet, sodass die Exporte auf 4,6 Millionen Barrel täglich steigen könnten, was einen Zuwachs von 900.000 Barrel pro Tag ausmachen würde. Die Einbußen wären somit ausgeglichen.

Dann folgten die offiziellen Lagerdaten aus den USA – und die Ölpreise korrigierten leicht. Die Rückgänge in den Beständen waren geringer ausgefallen, bei Rohöl beliefen sie sich auf 2,4 Millionen Barrel, bei Benzin auf 4,0 Millionen Barrel und bei Destillaten sogar nur auf 320.000 Barrel. Aus den Daten ließ sich klar ablesen, dass insbesondere die Golfküste vom Rohöl-Lagerabbau betroffen ist: Es wird weniger Öl importiert, dafür mehr exportiert, nämlich über 2,1 Millionen Barrel täglich. Auch die sich füllenden Lager in anderen Regionen des Landes widersprechen der Annahme, der US-Markt könne sich verengen. Und doch konnten die Ölpreise wieder anziehen – der Markt interpretiert die Daten eben nach eigenem Gutdünken.

OPEC erklärt Umsetzung des Abkommens – und bei Bedarf auch Verlängerung

Die steigenden Produktionszahlen können die Marktteilnehmer nicht davon abhalten, optimistisch auf die weitere Preisentwicklung zu spekulieren. Selbst wenn die OPEC-Mitgliedsstaaten, wie immer wieder beteuert, ihre Kürzungen um- und das Abkommen über den März 2018 fortsetzen würden, dürfte das Angebot bei Weitem die Nachfrage übersteigen. Es bleibt also abzuwarten, wie nachhaltig die jüngsten Entwicklungen sein werden. Wie empfindlich die Märkte reagieren, haben die letzten Tage eindrücklich belegt, denn die Lagerbestände sind bei Weitem nicht so erheblich gefallen, wie zuvor prognostiziert worden war. Die Ölpreise im Blick zu behalten, könnte sich für Heizöl-Bezieher als sehr sinnvoll erweisen: So schnell wie sich dieser Anstieg aufgebaut hat, so schnell kann er auch wieder in sich zusammenfallen.