Home » oelpreis-news

Rohölpreis auf OPEC-Kurs: Brent kostet 80 US-Dollar je Barrel

19 Mai 2018

Trotz des aufwertenden US-Dollars und wachsender US-Rohölbestände steigen Ölpreise kontinuierlich, Brent konnte sogar kurzzeitig die Marke von 80 US-Dollar für das Fass durchbrechen – allerdings sinkt auch die Nachfrage.

Höhere Förderquoten und Bestände – Ölpreis steigt trotzdem

Weder die Aufwertung der US-Währung noch die deutlich ausgeweitete Produktion konnten bislang die Ölpreise wirksam stoppen: Das Angebot aus den Nicht-OPEC-Ländern stieg ebenso wie die US-Förderung, die eine Rekordmarke von 10,723 Millionen Barrel täglich erreichte und somit im Vergleich zum Vorjahr um 14,7 Prozent zulegte. In der Folge reduziert sich der OPEC-Bedarf auf 32,25 Millionen Barrel täglich, was auf eine Stabilisierung der Angebotssituation hinweist. Gleichzeitig hat die EIA ihre Prognose zur weltweiten Nachfrage leicht korrigierte – und zwar nach unten: So geht die Agentur davon aus, dass im laufenden Jahr durchschnittlich 99,2 Millionen Barrel täglich benötigt werden.

Selbst die Sorte WTI wurde teurer und durchbrach zeitweise die Marke von 72 US-Dollar je Fass – und das angesichts der Förderquoten. Trotzdem gingen die Rohölbestände in den USA laut EIA um 1,4 Millionen Barrel zurück, bei Benzin schrumpften die Vorräte um 3,8 Millionen Barrel und bei den Destillaten um 100.000 Barrel – allerdings bewegen sich die Werte immer noch in der für diese Jahreszeit üblichen Spanne. Ein Blick auf die Nachfrageseite in den USA: Es werden täglich 20,1 Millionen Barrel nachgefragt – und damit rund 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Geopolitik weiter der wichtigste Treiber für den Ölpreis

Die Pläne der OPEC, den Ölpreis auf mehr als 80 US-Dollar für das Fass zu treiben, scheinen aufzugehen. Allerdings ist die Entwicklung nicht zuletzt den geopolitischen Risiken für den Ölmarkt geschuldet: Das von den USA gekündigte Iran-Atom-Abkommen lässt neue Sanktionen erwarten, die die Ölproduktion im Iran wieder beeinträchtigen dürften. Darüber hinaus konnte Venezuela die Produktionsausfälle noch nicht wieder ausgleichen, das OPEC-Angebot schrumpft somit stärker, als dies zunächst geplant oder erwartet wurde.

Letztendlich wurde der ausschlaggebende Überhang im Verhältnis zu den durchschnittlichen Rohölbeständen der vergangenen 15 Monate drastisch abgebaut: Im Januar 2017 betrug dieser noch rund 340 Millionen Barrel, aktuell wurden reichlich neun Millionen Barrel gemessen. Der Ölmarkt hat sich also drastisch verschoben, drohte bis vor wenigen Wochen noch ein Überangebot, kann selbst die preisbedingt zurückgegangene Nachfrage in absehbarer Zeit nichts am hohen Preisniveau ändern. Für Autofahrer und Heizölbezieher heißt das, kleinere Preisrücksetzer clever auszunutzen – tiefer in die Tasche greifen müssen jedoch alle.