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Ölpreis: Geht dem schwarzen Gold schon die Luft aus?

26 August 2016

In den letzten beiden Wochen konnten sich sowohl WTI als auch Brent deutlich erholen, aktuell kämpft der Ölpreis allerdings um eine Richtungsentscheidung: Kommt es nun zu einem erneuten Einbruch oder können sich die Bullen durchsetzen?

Widersprüchliche Prognosen – Spannung im Ölpreis

Die Gemengelage aus Rohölbeständen, Förderquoten und Nachfrage aus der Wirtschaft bietet derzeit reichlich Raum für Spekulationen – und das in beide Richtungen: Sehen einige Rohstoff-Experten den Boden für einen weiteren Anstieg im Ölpreis bereitet und eröffnen en masse Long-Positionen, bleiben andere skeptisch, weil sich Russland und Saudi-Arabien eventuell doch noch auf eine Limitierung der Förderquoten einigen könnten. Diese Widersprüchlichkeit spiegeln die Märkte wider: Brent konnte zwar kurzfristig die Marke von 50 US-Dollar für das Fass knacken, aber eben nicht halten; WTI war zwischenzeitlich auf über 48 US-Dollar je Barrel geklettert und kämpft sich nach einem Verlust sukzessive wieder heran.

Ausschlaggebend für die Rücksetzer waren die Lagerbestände in den USA: Sowohl bei Rohöl als auch bei Ölprodukten wurde eine deutliche Steigerung gemeldet. Ebenso erstaunlich ist das Anwachsen der Rohöl-Importe in den USA seit 2015, die mit 6,6 Millionen Barrel pro Tag einen Stand wie im Jahr 2014 erreicht haben. Die Verschiebung der Importe in Richtung OPEC belegt, dass deren Strategiewechsel aus dem Jahr 2014 sich nun bezahlt macht.

Weitere Aussichten: Alles ist möglich

Unter dem Strich lässt sich also festhalten, dass sich der gesamte Öl-Markt angesichts der anhaltenden Produktionsüberschüsse noch nicht wieder sortiert hat. Ein Blick nach China zeigt nämlich, dass die dortigen Bestände auf einen Stand geschrumpft sind, der zuletzt 2013 verzeichnet worden war. Von Angebotseinengung kann allerdings nicht die Rede sein, denn zuvor waren enorme Bestände aufgebaut worden. Die nüchternen Fundamentaldaten weisen noch nicht auf einen Preisanstieg hin.

Zahlreiche Investoren sehen die Situation jedoch ganz anders, wie sich an den um 118 Millionen Barrel angestiegenen Long-Positionen ablesen lässt: Hier wird ganz klar auf einen steigenden Ölpreis gewettet. Auch die Ölbohr-Unternehmen und -Dienstleister werden wieder aktiv, 76 neue Ölquellen wurden in den letzten acht Wochen zusätzlich in Betrieb genommen. Dieser Optimismus, der sich auch in leicht ansteigenden für das Förder-Equipment niederschlägt, geht vor allem auf die Äußerungen von Saudi-Arabien und Russland, die Förderquoten eventuell etwas herunterfahren zu wollen, zurück. Eine eindeutige Prognose kann aber noch nicht abgegeben werden: Heizöl-Bezieher sollten daher günstige Gelegenheiten nutzen, schon die Andeutung einer OPEC-Einigung dürfte die Preise auf ein neues Niveau befördern.