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Rohölpreis gesunken: OPEC als zahnloser Tiger?

18 November 2017

Von den zwischenzeitlichen 64 US-Dollar für das Fass Brent und den mehr als 57 US-Dollar für das Barrel WTI hat sich der Ölpreis schon wieder entfernt, aktuell notieren die Sorten bei rund zwei US-Dollar je Fass weniger. Was kann die OPEC ausrichten?

Steigende Lagerbestände und Produktionsquoten drücken Ölpreis

Zunächst legten die Ölpreise zu, obwohl das US-Energieministerium einen Anstieg der Rohöllagerbestände um 1,9 Millionen Barrel und der Benzinvorräte um knapp 900.000 Barrel meldete. Einerseits hatten die USA bei den Netto-Importen zugelegt, andererseits kletterte die Rohölproduktion auf 9,65 Millionen Barrel täglich geklettert. Auch in China bewegt sich die Rohölverarbeitung auf einem sehr hohen Niveau, im Oktober wurden 11,9 Millionen Barrel pro Tag registriert, die zu einem guten Teil in den Export gehen dürften.

Selbst die OPEC-Einschätzung, dass sich im kommenden Jahr bei gleichbleibendem OPEC-Produktionsniveau eine Versorgungslücke von rund 800.000 Barrel pro Tag auftun würde, konnte dem Ölpreis keinen entscheidenden Auftrieb geben. Das könnte durchaus daran liegen, dass die OPEC von einem geringen Anstieg des Öl-Angebots der Nicht-OPEC-Länder ausgeht. Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der US-Öl-Industrie und den positiven Effekten, die das höhere Preisniveau mit sich bringt, dürfte dies jedoch weit von der Realität entfernt sein.

IEA-Prognosen und OPEC-Sitzung – Vertagung wahrscheinlich

So geht die International Energy Agency (IEA) davon aus, dass das Angebot im kommenden Jahr um 1,4 Millionen Barrel täglich ausgeweitet wird, die tägliche Nachfrage jedoch nur um 1,3 Millionen Barrel steigt – ein Angebotsüberhang wäre die Folge. Auch die US-Energiebehörde schlägt in diese Kerbe, denn sie vermeldet einen erneuten Anstieg der Schieferölproduktion, die somit das Niveau von 6,17 Millionen Barrel erreicht – die OPEC dürfte also mit ihren Annahmen deutlich daneben liegen.

Für den 30. November ist nun die nächste OPEC-Tagung angesetzt, von der eine Verlängerung der Produktionsdrosselung erwartet wird. Allerdings steht da Russland dagegen, auch als Nicht-Mitglied spielt der zweitgrößte Ölproduzent eine gewichtige Rolle. Der russischen Energieminister warnte demnach, dass es für eine Verlängerung der Maßnahmen noch zu früh sei. Vor diesem Hintergrund warnt mit Rosneft eines der führenden Mineralölunternehmen Russlands vor wieder einbrechenden Ölpreisen, sollte die Verlängerung nicht wie geplant beschlossen werden. Im Gegenzug geht die Citigroup eher von einem Kompromiss, wie beispielsweise einer Verlängerung um drei Monate oder einer Vertagung, aus. Fakt ist, das Öl-Angebot wird deutlich schneller ausgeweitet, als die Nachfrage aktuell mitziehen könnte – für Autofahrer und Heizölbezieher könnte es wieder günstiger werden.