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Ölpreis: Hat die OPEC überhaupt noch Einfluss auf die Preisbildung?

21 April 2017

Mit einem Satz ging es wieder nach unten, der Ölpreis will allen Bemühungen der OPEC zum Trotz nicht steigen. Das Zünglein an der Waage waren wieder einmal die Daten aus den USA – und nicht zuletzt die Glattstellung spekulativer Positionen.

Öl wird wieder billiger – trotz hoher Nachfrage-Erwartungen

WTI sackte von mehr als 53 US-Dollar auf 50 US-Dollar je Barrel durch, Brent von 55 US-Dollar auf knapp 53 US-Dollar für das Fass durch – die Bemühungen der OPEC werden geradezu konterkariert, die seit März erzielte Erholung komplett wieder verloren. Dieser Preisrutsch erfolgte nach der Veröffentlichung der gestiegenen Produktions- und Lagerdaten in den USA, die geopolitischen Auseinandersetzungen in Venezuela konnten hier keine Gegenbewegung auslösen. Das Land verfügt zwar über die größten Reserven, gilt aber schon seit Jahren als unsicherer Produzent.

Einige Experten sehen jedoch nicht die Benzinlagerbestände in den USA als Auslöser, sondern vielmehr die Glattstellung einer enormen Anzahl von spekulativen Positionen. Nicht zu vernachlässigen ist die OPEC selbst, die immer wieder Hoffnungen und Erwartungen geschürt hatte, mit einem künstlich verknappten Angebot das Preisgefüge beeinflussen zu können – und sich selbst nicht an die eigenen Beschlüsse gehalten hat. Aber außerhalb der OPEC sind die Kooperationen alles andere als stabil, die Macht ist also deutlich begrenzter, als es die einst entscheidende Größe für den Ölmarkt einräumen will.

Verlängern der OPEC-Abkommen oder nicht – Ölpreis wird am Markt gebildet

Insbesondere in den letzten Tagen wurde klar, dass der Markt nicht mehr direkt auf Meldungen von der OPEC reagiert: Die Verlängerung der vereinbarten Drosselung der Förderung im Golf konnte keine nennenswerte Reaktion hervorrufen. Ob dies eine gewisse Ermüdung wegen der zahlreichen Beteuerungen in dieser Richtung zurückzuführen ist oder diese wegen der fehlenden Umsetzung ganz einfach nicht mehr ernst genommen werden – die Musik spielt offensichtlich in den USA, wo sich Angebot und Nachfrage durchaus robust zeigen. Die EIA erwartet für die nächsten Monate ohnehin einen anziehenden Verbrauch, den die USA aber größtenteils selbst befriedigen können.

Derzeit ist kein Impuls auszumachen, der dem Ölpreis auf die Sprünge helfen könnte. Natürlich kann eine Eskalation im Nahen oder Mittleren Osten jederzeit für gravierende Änderungen sorgen, das aktuelle Gleichgewicht ist durchaus fragil. Autofahrer können aber mit gutem Gefühl die Tankstelle ansteuern, die Preise dürften sich wieder auf einem angenehmen Niveau bewegen. Reicht das Heizöl nicht aus, um das kühle Frühjahr zu überbrücken, ergibt sich jetzt eine günstige Einkaufsgelegenheit.