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Ölpreis nach erneutem Rutsch – ist der Boden erreicht?

13 November 2015

Volle Lager und schwache Nachfrage – das sind die Zutaten, die es zu einem Ölpreis-Verfall braucht: Brent rutschte auf knapp über 45 US-Dollar für das Barrel, WTI sogar unter 43 US-Dollar für das Fass. Die Frage lautet nun: Ist dies der Beginn eines weiteren Abwärtstrends oder ist die Bereinigung nun abgeschlossen?

Die Charts – keine klaren Signale

Für Brent wäre eine Gegenbewegung auf 48 US-Dollar je Barrel wichtig, um von einer Marktbereinigung ausgehen zu können. Allerdings besteht bei neuen Tiefstwerten das Risiko eines Kursziels von 42 oder sogar 41 US-Dollar für das Fass. Die 41 US-Dollar sind auch eine kritische Marke für die Sorte WTI: Sollte der Preis darunter fallen, steht die wichtige Schwelle von 40 US-Dollar für das Fass an, die zuletzt im August durchbrochen worden war. Klare Signale sind noch nicht abzuleiten, dazu drücken das enorme Angebot, die Lagerbestandsdaten und die schleppende Nachfrage zu stark nach unten.

Russland mit Eigeninitiative – Öl-Handel in Rubel

Für November sind in Russland erste von Brent-Notierungen unabhängige Geschäfte mit einer neuen Sorte als Testlauf geplant, um einen neuen Modus für den Öl-Handel zu etablieren. Vize-Energieminister Kirill Molodzow arbeitet mit seinem Stab bereits seit 2014 an einer Alternative zur Verrechnung in US-Dollar, die reguläre Einführung des neuen Gemischs aus ESPO- und Urals-Öl an der Rohstoffbörse in St. Petersburg soll Ende nächsten Jahres realisiert werden. Erste Geschäfte mit Weißrussland wurden bereits in Rubel verrechnet, weitere ehemalige Sowjet-Republiken, aber auch China, Indien und Vietnam könnten folgen. Damit soll die Abhängigkeit von Euro und US-Dollar sukzessive abgebaut werden. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen diese Entwicklung auf den globalen Öl-Markt haben wird.

Noch kein Stopp für Abwärtstrend in Sicht

Kurzfristig ist keine Erholung abzusehen, dazu ist die Ausgangslage zu schlecht – der starke US-Dollar setzt den Ölpreis zusätzlich unter Druck. Die US-Währung konnte nach der Verdichtung der Anzeichen für eine Zinsanhebung im Dezember Boden gut machen – und den gesamten Rohstoffmarkt belasten. Allerdings stellt die wachsende Investitionslücke, die der Zurückhaltung, die die Öl-Produzenten seit geraumer Zeit an den Tag legen müssen, geschuldet ist, auch eine Chance dar: Auf lange Sicht müssen sich die fehlenden Investitionen sowohl auf die Fördermenge als in der Folge auch auf die Preise auswirken. Es bleibt nur abzuwarten, wem bis dahin die Puste ausgeht – Verbraucher wird es zunächst freuen, Heizöl und Benzin geben den Preisverfall zumindest teilweise wieder.