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Ölpreis: OPEC einig über Uneinigkeit – Macht des Kartells angekratzt

3 Juni 2016

Gebannt blickte die Welt nach Wien, wo die OPEC-Minister zum Thema Förderquote tagten. Allein die unterschiedlichen Interessen machten die Ergebnisse vorhersehbar. Der Ölpreis reagiert zwar sehr empfindlich, allerdings zeichnet sich eine Seitwärtsbewegung ab.

Die magische Grenze im Ölpreis ist hart umkämpft

Um die 50 US-Dollar für das Barrel bewegt sich die Sorte Brent nun seit fast zwei Wochen seitwärts, WTI liegt rund einen US-Dollar darunter – selbst die Diskussionen der OPEC konnten da nicht viel ausrichten. War zunächst über eine Einigung auf eine Förderdrosselung spekuliert worden, gaben die Ölpreise doch nur wenig nach – zumal sich der Iran direkt von einem solchen Ansinnen distanzierte und im Gegenzug individuelle Länderquoten vorschlug. Damit kann für den Hauptakteur Saudi-Arabien, das vom neuen Ölminister al-Falih, der auch den staatlichen Öl-Konzern Saudi-Aramco leitet, vertreten wird, eine Begrenzung der Förderung kein Thema mehr sein: Dem Erzrivalen Iran Marktanteile zu überlassen, ist schier undenkbar.

In diese Richtung gehen auch die Aussagen des saudischen Vize-Kronprinzen Mohammed bin Salman, der auf eigene Programme verwies und eine Unabhängigkeit vom Ölpreis proklamierte: Ob 30 oder 70 US-Dollar für das Barrel – Saudi-Arabien steht de facto über den Dingen. Gleichzeitig werden Pläne präsentiert, sich bis zum Jahr 2030 als Volkswirtschaft neu aufzustellen. Die Abhängigkeit vom Öl-Export soll sukzessive zurückgefahren werden. Die Mittel für diese wirtschaftliche Neuausrichtung stellt ein Staatsfonds zur Verfügung, der mit zwei Billionen US-Dollar ausgestattet wird – damit ließen sich die vier größten US-Konzerne theoretisch direkt einverleiben.

Die weiteren Aussichten mit wenig Bewegung

Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Produktion eingedämmt werden könnte, zumal Nigeria, Libyen und auch der Iran sich nicht auf die aktuell relativ niedrige Stände festlegen lassen werden. Andererseits sind auch die individuellen Förderquoten unwahrscheinlich, es entsteht quasi eine Pattsituation: Drücken die hohen Förderungen den Ölpreis, unterstützen die zurückgehenden Fördermengen in den USA und die Probleme in Kanada, Libyen und Nigeria auf der anderen Seite. Zunächst wird der Ölpreis sich also weiter seitwärts bewegen und um die magische Grenze bei 50 US-Dollar für das Fass zu kämpfen haben.

Deutsche Verbraucher können also weiterhin relativ günstig tanken, auch wenn die Benzinpreise angesichts der Situation am Öl-Markt teilweise deutlich viel zu stark schwanken. Es ist zwar gerade keine Heizperiode, allerdings sollten Öl-Heizungsbesitzer die Entwicklung im Blick behalten: Die aktuellen Produktionsausfälle dürften nur temporär sein und nach Beendigung für einen weiteren Preisdruck sorgen – solange die Wirtschaft nicht deutlich anzieht.