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Ölpreis schmiert ab: Danke, Mr. President!

2 Juni 2019

Das war ein sauberer Absturz: Die Sorte Brent präsentiert sich zum Ende der Handelswoche um 9 US-Dollar je Fass leichter, WTI verliert immerhin rund 6 US-Dollar je Barrel – die Autofahrer können sich freuen.

Die Preisbremsen: Nahost-Politik, Handelskrieg und schwache Nachfrage

Noch am Dienstag kostete Brent rund 70 US-Dollar je Fass, allerdings setzte der Preisdruck schon kurz nach dem langen Wochenende in den Vereinigten Staaten ein: US-Präsident Donald Trump reiste durch Japan und ließ verlauten, dass er keinerlei Ambitionen in puncto Regimechange im Iran hätte, selbst eine neue Vereinbarung zum Atomprogramm wäre denkbar. Doch da war auch noch sein Sicherheitsberater Bolton, der sich regelmäßig für einen Militärschlag gegen den Iran stark macht. Angesichts der erhöhten US-Militärpräsenz in der Region erhielten diese Forderungen zusätzliches Gewicht. Wie wird die OPEC reagieren? Die Reserven sollen selbst dann ausreichen, wenn die iranischen Ölexporte komplett verhindert werden. Allerdings ist das bislang eine theoretische Abwägung, denn diese Bestände lagern im Nahen Osten. Ein wichtiges Signal könnte das OPEC+-Treffen Ende des Monates liefern, zumal Russland bereits Bedenken in Bezug auf die Förderkürzungen angemeldet und sich im Gegenzug zur Produktionsausweitung bereit erklärt hat.

Zur Mitte der Woche versetzten die US-Lagerdaten dem Ölpreis einen weiteren Schlag: Insbesondere die Rohölbestände waren nämlich in der Vorwoche nur um 0,3 Millionen Barrel gefallen und belaufen sich jetzt auf 476,5 Millionen Barrel. Zum Vergleich: Erwartet worden war ein Abfluss von 1,4 Millionen Barrel. Und hier kommt der Handelskrieg mit China ins Spiel: Die chinesische Seite hatte nämlich angedeutet, die Versorgung mit Seltenen Erden stören zu können – und die werden weltweit benötigt. Sollte sich deswegen die globale Konjunktur abschwächen, geht naturgemäß auch die Nachfrage nach Öl zurück. Doch nicht genug damit, China machte die angekündigten neuen Strafzölle auf US-Importe wahr. Gleichzeitig soll eine Auflistung der unzuverlässigen Firmen erstellt werden – hier dürften wohl in erster Linie US-Unternehmen auftauchen.

Doch Donald Trump hat noch nicht genug, er nahm nun auch Mexiko ins Visier und drohte mit Strafzöllen auf Importe aus dem Nachbarland, sollte die illegale Einwanderung nicht gestoppt werden. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung an den Börsen nicht verwunderlich: Die Marktteilnehmer sind zunehmend verunsichert, der Handelsstreit zwischen den größten Volkswirtschaften dieser Welt droht sukzessive auszuufern. Auch wenn die Märkte bis hierhin eine erstaunliche Gelassenheit an den Tag gelegt haben, scheint diese nun ganz realen Befürchtungen zu weichen – die Ölpreisentwicklung spiegelt dies eindrücklich wider.