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Ölpreis und Brexit – Angst macht sich breit

17 Juni 2016

Der große Aufwärtstrend hielt bis vor einer Woche, seither geht es kontinuierlich bergab: Brent verbilligte sich auf 47 US-Dollar für das Fass, WTI sogar noch darunter. Auch beim Ölpreis schlägt die negative Stimmung an den Märkten durch – es stellt sich nur die Frage, wie weit es noch nach unten geht.

China und Großbritannien – die Risikofaktoren

Das gravierende Überangebot, fehlende Abstimmung der OPEC-Staaten und das Aufstreben des Iran und Russlands als Öl-Exporteure – all die üblichen Impulse für den Ölpreis treten aktuell in den Hintergrund. Dominiert werden die Entwicklungen von der schwachen Nachfrage, vor allem aus China, und natürlich dem drohenden Brexit: Aktien stehen ebenso unter Druck, wie die Staatsanleihen boomen – Angst vor einem bisher nie dagewesenen Ereignis und den damit verbundenen Unwägbarkeiten bestimmt die Märkte.

So kommen auch die Analysten von Morgan Stanley zu bedrohlichen Szenarien, die sich allerdings auf das größer werdende Überangebot beziehen: Sie sehen das Risiko eines erneuten Preisverfalls auf das Niveau um 30 US-Dollar pro Fass. Ausschlaggebend wäre demnach die Situation in Kanada, die sich nach den verheerenden Waldbränden wieder erholt. Fraglich sei aber noch die Produktion in Venezuela, die dortigen Unruhen machen die Prognose schwierig.

Brent und WTI unter Druck – drohender Brexit schlägt durch

Der Blick auf die Charts zeigt dann auch, dass sowohl WTI als auch Brent seit Anfang April eine schöne Aufwärtsbewegung absolviert haben und jeweils die 50 US-Dollar für das Fass knacken konnten – bis Anfang Juni. Seit dem 7. 6. geht es nun sukzessive abwärts: Aktuell notiert Brent bei reichlich 47 US-Dollar pro Barrel, werden diese noch unterschritten, kann es auch direkt auf 45 US-Dollar weiter hinuntergehen. Bei WTI wurden die 47 US-Dollar für das Fass schon unterschritten. Hält die Unterstützung bei 46,80 US-Dollar je Barrel nicht, sind 44 und in der Folge 43 US-Dollar für das Fass die nächsten Marken. Impulse nach oben sind derzeit nicht auszumachen, auch wenn der Bestand der Netto-Long-Positionen für Brent laut ICE weiter angewachsen ist: Die Spekulanten setzen offensichtlich noch immer auf einen steigenden Ölpreis.

Für Autofahrer und Heizöl-Bezieher eröffnen sich neue Chancen für Schnäppchen: Wer den Ölpreis in den bis zum Brexit verbleibenden Tagen im Auge behält, könnte Möglichkeiten zum Tanken erhalten. Sollten allerdings die Analysten von Morgan Stanley Recht behalten, dürfte sich diese Situation in den nächsten Wochen noch verbessern – zumindest aus Sicht der privaten Konsumenten.