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Ölpreis – vom schwarzen Gold zum Lagerproblem

15 Januar 2016

Es scheint nur noch eine Richtung für den Ölpreis zu geben: nach unten. Selbst die Marke von 30 US-Dollar für das Fass wurde kurzzeitig durchbrochen (WTI), eine Erholung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Spekulationen von einem Einbruch auf 10 US-Dollar je Barrel nehmen zu.

Düsteres Szenario – Öl weiter im Abwärtstrend

Schon die 30 US-Dollar für das Barrel konnten sich viele Investoren vor Jahresfrist kaum vorstellen – nun geht neben Goldman Sachs auch Morgan Stanley von einem Niveau um die 20 US-Dollar für das Fass aus. Einige sehen sogar 10 US-Dollar und weniger voraus – bis hin zu Gail Tverberg, die als Energiefachfrau gilt und noch einen draufsetzt: Der Ölpreis könnte unter 0 US-Dollar pro Fass fallen – rein theoretisch. Sie macht ihre These an den Problemen fest, die in den nächsten Monaten aus einer ganz unerwarteten Richtung kommen: Die Lagerkapazitäten werden knapp. Die Ölproduktion läuft auf vollen Touren und die Lager sind bereits gut gefüllt – allerdings lässt sich der Ölmarkt schlecht mit dem Strommarkt vergleichen, in dem dieses Phänomen bei drastischen Überangeboten schon einmal vorkommt.

Die Folgen: Freude für die Autofahrer, Sorgen für die Produzenten

Für Benzin- und Energie-Konsumenten könnte die Entwicklung gar nicht besser sein: Die Automobilindustrie erfährt eine stärkere Nachfrage, die allein auf den günstigen Benzinpreisen beruht. Ebenso erfreuen sich Ölheizungen wieder zunehmender Beliebtheit. Die Medaille hat aber immer zwei Seiten, denn nicht nur die Umweltschützer, die durch die hohen Energiekosten eine wirksame Schützenhilfe in ihrem Kampf um umweltschonende und energiesparende Alternativen hatten, ist diese Entwicklung fatal. Insbesondere für die Ölproduzenten wird die Luft langsam eng: Viele Ölstaaten, darunter Venezuela, aber auch Russland bräuchten rund 100 US-Dollar je Barrel, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen.

Selbst Saudi-Arabien musste bereits Staatsanleihen begeben, um die Defizite aufzufangen – und hält trotzdem weiterhin am hohen Förderniveau fest. Nicht zuletzt die US-Fracking-Industrie und der Iran sollen auf diese Weise in die Knie gezwungen werden. Für die Fracking-Industrie wäre ein Preisniveau von durchschnittlich 70 US-Dollar je Barrel lebensnotwendig – die Zahl der Schließungen nimmt demzufolge stetig zu. Allerdings muss Saudi-Arabien damit rechnen, dass dieser Preiskrieg durchaus auch zurückschlagen und drastische Auswirkungen haben kann: Über die Fracking-Industrie hinaus, die zu einem großen Teil kreditfinanziert und subventioniert ist, geraten ganze Volkswirtschaften in Schieflage – inklusive aller begebenen Unternehmens- und Staatsanleihen. Die gefährliche Gemengelage für eine neue Finanzkrise ist also angerichtet.