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Ölpreis: Vorsichtiger Optimismus macht sich breit – ist die Talsohle schon durchschritten?

19 Mai 2020

Für die Ölpreise geht es so langsam wieder bergauf: Die Sorte Brent kratzt an der Marke von 34 US-Dollar je Barrel, WTI hat sich auf 31 US-Dollar für das Fass angenähert. Doch wie nachhaltig diese Entwicklung ist, bleibt noch abzuwarten.

Neue Handelswoche – neue Preismarken für Öl?

Seit Ende der letzten Handelswoche können die Ölpreise wieder zulegen, was nicht zuletzt an den aktuellen Konjunkturdaten aus der Volksrepublik China liegen könnte. Dort war die Nachfrage zuletzt wieder gestiegen: Im April verzeichnete die chinesische Industrieproduktion einen Zuwachs von 3,9 Prozent, den Analysten auf die Wirksamkeit der Stützungsmaßnahmen zurückführen. Allerdings gingen die Sachinvestitionen um mehr als 10 Prozent im Vergleich zu Vorjahreszeitraum ebenso zurück wie die Umsätze des Einzelhandels, die ein Minus von 7,5 Prozent verzeichneten. Wie die Daten belegen, ist der Raffineriedurchsatz in China gestiegen.

Der aufsteigende Trend setzte sich zu Beginn der neuen Handelswoche fort, hier spielt wohl auch die erneute Kürzung der Rohölförderung eine treibende Rolle. Schon vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die in der OPEC+-Gruppe organisierten ölproduzierenden Staaten planen, die Kürzungen auch über die Mitte des Jahres hinaus zu verlängern. Hinzu kommt, dass auch die US-Produktion deutlich zurückgefahren wurde – und die Ölbestände zum ersten Mal seit fast zwei Monaten geschrumpft sind. Damit entspannt sich die Situation um die freien Kapazitäten zumindest vorläuft etwas,

Ölpreisstabilisierung – reichen die Maßnahmen aus?

Die aktuelle positive Entwicklung im Ölpreis ist demnach mehreren Aspekten geschuldet. Angesichts des veränderten Verhältnisses von Angebot und Nachfrage gehen Experten derzeit davon aus, dass ein erneuter Preissturz, wie die Märkte im April erlebt hatten, nun unwahrscheinlich wird. Im letzten Monat war insbesondere der Preis für US-amerikanisches Öl zum Kontraktwechsel wegen der schwachen Nachfrage und der knapp gewordenen Lagerkapazitäten sogar in den negativen Bereich gerutscht. Nun steht wieder ein Kontraktwechsel an, die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

Grundsätzlich muss festgehalten werden: Die Risiken für die Ölpreise sind nach wie vor vorhanden. Insbesondere der Konflikt zwischen den USA und China dürfte hier angesichts der aktuellen Entwicklung im Blick behalten werden. Die USA hatte in der Letzten Woche nämlich die Sanktionen gegen Huawei verschärft, um dem chinesischen Smartphone-Hersteller und Ausrüster für Netzwerke vor allem den Zugang zur US-amerikanischen Halbleitertechnologie kappen. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem die Corona-Krise. Ob es eine zweite Infektionswelle gibt und wie stark diese ausfallen wird, kann derzeit kein Experte mit Sicherheit vorhersagen – befürchtet wird sie allerdings.