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Ölpreis – war das schon die Trendwende? 

24 Mai 2016

Die Experten von Goldman Sachs sind sich sicher, dass sich der Ölmarkt im zweiten Halbjahr grundsätzlich stabilisieren wird. Der in den letzten Tagen verzeichnete Anstieg im Ölpreis scheint ihnen Recht zu geben. Aber es gibt durchaus kritische Stimmen, die dieser Ansicht nicht folgen – es bleibt spannend.

WTI und Brent mit weiterer ErholungInnerhalb der letzten beiden Wochen konnten sich beide Ölsorten deutlich erholen: WTI stieg ebenso wie Brent von reichlich 43 US-Dollar für das Fass auf über 49 US-Dollar je Barrel – aktuell kämpfen beide Sorten auf demselben Niveau um diese Höchstmarke. Für einen weiteren Preisanstieg sprechen dann auch einige triftige Gründe, dazu zählt einerseits die leicht steigende Nachfrage aus den Schwellenländern – kräftige Impulse aus den großen Volkswirtschaften sind noch Fehlanzeige.

Triftige Gründe pro höhere Ölpreise

Es ist eher die Angebotsseite, die einige Rückschläge hinnehmen musste, hier sei in erster Linie Nigeria genannt: Aufgrund von Sabotage- und Terrorakten brach die Ölproduktion um rund 500.000 Barrel pro Tag und damit um 30 Prozent ein. Kanada wird immer noch von furchtbaren Waldbränden geplagt, die Erdölproduktion muss ein Minus von rund einer Million Barrel pro Tag verkraften. Venezuela beklagt ebenfalls einen Rückgang um 100.000 Barrel pro Tag, selbst die Ausfälle in der US-Fracking-Industrie machen sich drastisch bemerkbar, die dortige Produktion sinkt auf 8,8 Millionen Barrel täglich – im Vergleich zum April 2015 sind das rund 900.000 Barrel pro Tag weniger. Aus dieser Entwicklung leiten Experten ab, dass das aktuelle globale Überangebot von rund 1,3 Millionen Barrel bis zum Ende des Jahres auf 0,2Millionen Barrel schrumpfen wird.

Ebenso interessante Gegenstimmen

Auf der anderen Seite kündigt Saudi-Arabien an, die Ölproduktion um bis zu eine Million Barrel pro Tag zu erhöhen. Angesichts der iranischen Bemühungen, sich wieder einen Platz auf dem Ölmarkt zu erobern, dürfte hier ein erneuter Preiskampf zu erwarten sein. Die Lagerbestände sind hoch, nicht zuletzt in China wurde in der Tiefpreisphase kräftig gebunkert – bei relativ schwacher Nachfrage. Das dürfte der entscheidende Punkt sein: Auch wenn die Signale aus den Schwellenländern positiv sein mögen, die Verfassung der globalen Wirtschaft gibt noch keinen Anlass zur Hoffnung. Die hohen Lagerbestände weltweit müssten erst einmal abgebaut werden, um die Öl-Nachfragekräftig anzukurbeln. Da die Öl-Produzenten alles andere als einig sind und so viel wie möglich verkaufen, dürfte die Trendwende im Ölpreis weiterhin auf sich warten lassen.