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Ölpreise erneut unter Druck: Wird eine grundlegende Abwärtsrevision der Prognosen notwendig?

9 Oktober 2019

Zum Ende der letzten Handelswoche dürften einige Marktteilnehmer angesichts einer leichten Erholung im Ölpreis Hoffnung geschöpft haben, allerdings verschlechtern sich die Bedingungen grundlegend.

Kleines Zwischenhoch nur von kurzer Dauer

Der Angriff auf die saudi-arabischen Ölanlagen hat den Ölmarkt kräftig durchgeschüttelt: Auch wenn noch lange keine Klarheit zum eigentlichen Hergang der Dinge herrscht, ist die Fragilität der Energieversorgung doch mehr als deutlich geworden. Entsprechend stiegen die Ölpreise an, schließlich war die Ölproduktion Saudi-Arabiens empfindlich getroffen worden. Kronprinz Mohammed bin Salman wird nicht müde, die schnelle Wiederherstellung der Produktionsanlagen zu betonen. Es gäbe im Oktober zwar Verzögerungen, die Kunden seien aber informiert.

Für Aufmerksamkeit sorgte ein Statement des Staatskonzerns Saudi Aramco, nach dem geplanten Börsengang im November bereits im nächsten Jahr eine erhebliche Basisdividende auszahlen zu wollen. Die avisierte Höhe: 75 Milliarden US-Dollar – das ist mehr, als BASF oder Bayer überhaupt wert sind. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr realisierte Aramco 111 Milliarden US-Dollar Gewinn. Die Bewertung dieser Ankündigung fällt sehr unterschiedlich aus, zunächst muss der Börsengang, der rund 100 Milliarden US-Dollar in die Kasse spülen soll, über die Bühne gehen.

Ölpreise weiter im Abwärtsgang

Die Ölpreise zeigten sich jedoch von den Angriffen nur kurz beeindruckt, bereits in der letzten Handelswoche gaben die Preise wieder deutlich nach – daran kann auch die leichte Erholung zum letzten Wochenende nichts ändern. Zu Beginn der aktuellen Woche ging es ohnehin weiter bergab: Brent notiert aktuell bei 58 US-Dollar für das Fass, WTI bei reichlich 52 US-Dollar je Barrel. Dafür zeichneten die schwachen Konjunkturdaten verantwortlich, die aus den führenden Industriestaaten und hier vor allen aus den USA gemeldet wurden. Besorgniserregend ist demnach, dass nicht nur die Industrie schwächelt, sondern nun auch der Dienstleistungssektor beeinträchtigt ist. Daraus resultiert wiederum ein sinkender Transportbedarf, es wird dementsprechend weniger Öl nachgefragt. Hier kommt Fatih Birol als Chef der Internationalen Energieagentur IEA ins Spiel: Er hat nun bereits mehrfach davor gewarnt, dass es zu einer weiteren Abwärtsrevision der Nachfrageprognosen kommen könne.

Hier sehen sich einige Analysten bestätigt, die deutlich stärkere Impulse auf den Ölpreis aus dem wirtschaftlichen Umfeld erwarten. Angesichts der beginnenden Heizperiode eröffnen sich für Hausbesitzer günstige Möglichkeiten, sich mit Heizöl einzudecken. Auch Autofahrer profitieren, was angesichts der Diskussionen um eine geplante Verteuerung des Fahrens von Benzin- und Dieselfahrzeugen wie eine kleine Verschnaufpause anmutet. Insgesamt jedoch sollte allen Marktteilnehmern klarwerden, dass die Zeiten des Aufschwungs wohl endgültig vorbei sind.