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Ölpreise: Keine eindeutigen Tendenzen – keine klare Richtung

16 Juni 2020

Die neue Handelswoche geht genauso unentschieden weiter, wie die letzte endete: Brent notiert bei knapp 40 US-Dollar für das Fass, WTI kämpft hält sich über 37 US-Dollar je Barrel. Die FED brachte etwas Ruhe in die Märkte, die jedoch alles andere als stabil sind.

Corona, Konjunktur und trübe Aussichten

Die Ölpreise korrigierten in der letzten Handelswoche deutlich, nicht zuletzt die Konjunkturausblicke der FED dürften dazu beigetragen haben – Öl reagiert als Rohstoff ebenso empfindlich auf derart trübe Prognosen wie jede andere riskantere Anlage. Die FED hatte formuliert, dass sie wegen der Corona-Pandemie eine lange Belastung der heimischen Wirtschaft und insbesondere den dauerhaften Verlust von Millionen Jobs erwartet. Daraus leitet sich eine schwache Nachfrage nach Rohöl und Ölprodukten ab, was wiederum die Preise unter Druck setzte. Verstärkt wurden diese Aussagen durch die steigende Anzahl der Corona-Infektionen in den USA: In mehreren südlichen Bundesstaaten wie Texas und Florida waren wieder mehr Neuinfizierte registriert worden. Es wird sogar erwartet, dass einige der Corona-Beschränkungen in den nächsten Wochen erneut eingeführt werden. Aber auch die Angebotsseite gibt keinen Anlass zur Hoffnung: Das US-Energieministerium meldete in der letzten Handelswoche Rekordbestände – die die Preise seit Wochen belastende Ölschwemme ist also keineswegs abgebaut.

Zunächst hellte sich die Stimmung mit Beginn der neuen Handelswoche etwas auf, die Ölpreise konnten leicht zulegen und bislang dieses Niveau halten. Doch die Nachrichten aus China nahmen dieser Entwicklung wieder den Wind aus den Segeln: Dort ist es zu einem weiteren Ausbruch des Corona-Virus gekommen, was auch den USA neue Ängste schürte. Doch auch die chinesischen Wirtschaftsdaten bleiben noch verhalten – und bestätigen die Bedenken einiger Ökonomen. Die staatlich koordinierte Produktion wurde zwar wieder hochgefahren, allerdings konsumieren die Menschen nach wie vor nur verhalten.

Die Aussichten: Ölpreise bleiben unter Druck

Die Erholung der Ölpreise bleibt also von ausgesprochen kurzer Dauer, im Gegenteil, es zeichnet sich ein erneuter Rückschlag ab. Wie einige Rohstoffexperten schon seit geraumer Zeit zu bedenken geben, war der bisher an den Tag gelegte Optimismus ohnehin überzogen. Die dafür verantwortlichen Förderkürzungen der OPEC+-Staaten reichen offenbar nicht aus, um das Ungleichgewicht zwischen Öl-Angebot und -Nachfrage wieder ins Lot zu bringen. Deutsche Autofahrer können also hoffen, in den nächsten Tagen wieder marktgerechte Benzinpreise an den Tankstellen vorzufinden – in letzter Zeit hatten die Anbieter nämlich schon wieder so hohe Preise für Benzin und Diesel aufgerufen, wie sie bei deutlich höheren Ölpreisen plausibel waren.