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Ölpreise: Kurze Erholungsphase bereits zu Ende?

21 Februar 2020

Seit dem Tiefpunkt vor knapp zwei Wochen konnten sich die Ölpreise langsam wieder auf bis zu 60 US-Dollar je Fass Brent und mehr als 54 US-Dollar für das Barrel WTI erholen. Doch seit gestern hat sich der Wind wieder gedreht – vorerst ist Schluss mit Erholung.

Hoffnung vs. Rekordförderung – Ölpreise können Niveau nicht halten

Chinesische Daten ließen die Märkte durchatmen, zunächst sah es so aus, als würde sich die Ausbreitung des Wuhan-Virus verlangsamen. Genau darauf hoffen Investoren, denn zwischenzeitlich mussten relevante Konzerne wie Apple Warnungen aussprechen. Allerdings dämpfte die Weltgesundheitsorganisation den aufkommenden Optimismus, die Datenlage sei ganz einfach noch zu dünn. Und sie sollte Recht behalten: Zwischenzeitlich wurden nämlich Infektionen anderen asiatischen Staaten festgestellt, sodass eine erhebliche Ausbreitung in diesem Raum befürchtet werden muss. In China bleibt eine nicht unbedeutende Zahl von Produktionsstätten geschlossen – die ohnehin fragile Situation auf dem Ölmarkt gerät also wieder unter Druck.

Die Marktteilnehmer schauen gespannt auf die OPEC+-Staaten, wird doch erwartet, dass diese ihre Ölförderungen um weitere 600.000 Fässer pro Tag kürzen. Das hält die Vereinigten Staaten von Amerika jedoch nicht davon ab, die Schieferölförderung weiter auszubauen. Für März werden 9,18 Millionen Barrel erwartet – und das täglich. Gleichzeitig setzen die USA Venezuela unter Druck, die Wirtschaftssanktionen sollen die Ölproduktion des Landes beeinträchtigen. Selbst ein Tochterunternehmen von Rosneft, des staatlichen Ölproduzenten Russlands, wurde von der US-Regierung sanktioniert, weil es in Venezuela aktiv ist. Die Reaktionen dürften nicht lange auf sich warten lassen.

Russland stellt sich quer: Ölpreise fallen wieder

Neben den Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus dürfte vor allem Russland dazu beitragen: Als Mitglied der OPEC+ haben sich die russischen Ölproduzenten einem schnellen Treffen des Ölkartells verweigert – die Hoffnungen auf eine kurzfristig beschlossene weiterführende Förderkürzung wird sich also nicht erfüllen. Abzuwarten bleibt der Verlauf des turnusmäßigen Treffens in zwei Wochen, bis dahin übersteigt das Öl-Angebot weiterhin deutlich die schwächelnde Nachfrage. Dementsprechend fiel die Entwicklung des Ölpreises aus: Brent notiert aktuell bei 58 US-Dollar je Fass und WTI bei 53 US-Dollar je Barrel.

Autofahrer können also in den nächsten Tagen ebenso profitieren wie die Betreiber von Ölheizungen. Allerdings ist die Gefahr einer sich schnell weiter ausbreitenden Virusinfektion nicht zu unterschätzen. Es sind bereits 45 Fälle in europäischen Ländern (Stand 19.2.) aufgetreten. Die ergriffenen Vorsichts- und Quarantänemaßnahmen in Deutschland greifen jedoch. Die Sorge gilt vielmehr dem asiatischen Raum, von der weiteren Entwicklung dort gehen nämlich starke Signale für die Wirtschaft aus.