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Rohöl unter Druck – vorerst keine Aussicht auf kräftige Erholung

16 Juni 2017

Es ging wieder kräftig bergab mit dem Ölpreis, die diesjährigen Tiefstände wurden bislang nur knapp verfehlt. Geschuldet ist dieser Preisverfall in erster Linie dem enormen Angebot – die OPEC-Maßnahmen verpuffen offensichtlich ohne Wirkung.

Trotz steigender Nachfrage – Ölpreis schwächelt weiter

Auch angesichts der jüngsten leichten Erholung lässt sich festhalten: Die Preise für Rohöl bleiben unter Druck und das allen OPEC-Bemühungen zum Trotz. Diese hatte die im November letzten Jahres beschlossene Fördermengendrosselung bis zum März 2018 verlängert. Ein Blick auf den Effekt zeigt jedoch, dass der Ölpreis seit der Einigung auf diese Maßnahmen um über zwölf Prozent nachgegeben hat. Nun sollen die Lagerbestände weltweit auf einen Fünf-Jahres-Durchschnitt reduziert werden, was angesichts der derzeitigen Überbestände von rund 250 Millionen Barrel gar nicht so leicht umzusetzen sein dürfte.

Offensichtlich entgleitet der OPEC die Kontrolle über das Angebot – und damit auch über den Ölpreis. Wollten die OPEC-Mitgliedsstaaten ihren täglichen Ausstoß um 1,2 Millionen Barrel senken, kann bislang nur ein Rückgang von 0,3 Millionen Barrel täglich bei den OPEC-Exporten registriert werden. Libyen und Nigeria fuhren ihre Produktionsmengen im Mai ebenso nach oben wie die US-Ölproduzenten, die generell keine Anstalten machen, ihre Wachstumsbestrebungen einzugrenzen. Im Gegenteil, die Energy Information Administration (EIA) geht davon aus, dass die Förderung im Jahr 2017 eine Steigerung um 460.000 Barrel täglich erreichen wird. Für das nächste Jahr ist ein Anstieg um 800.000 Barrel pro Tag auf rund zehn Millionen Barrel pro Tag wahrscheinlich. Für die OPEC ist dies ein Dilemma, je mehr sie sich aus der Ölproduktion zurückziehen, umso mehr Marktanteile erobern sich die US-Produzenten.

Keine Änderungen in Sicht: Öl wird billig bleiben

So ist es nur folgerichtig, wenn die Internationale Energieagentur davon ausgeht, dass die Angebotsüberschüsse auf dem Ölmarkt ausgebaut werden. Selbst wenn die tägliche Öl-Nachfrage wie geplant im nächsten Jahr erstmals über 100 Millionen Barrel steigen sollte, wird sich dieses Verhältnis nicht gravierend verändern. Das macht auch die aktuellen Ölpreise plausibel: WTI notiert unter 45 US-Dollar für das Fass, Brent knapp über 47 US-Dollar je Barrel – von kleineren Schwankungen abgesehen, dürfte sich hier nicht viel ändern.

Für Autofahrer steht also ein ebenso entspannter Sommer an wie für Besitzer einer Ölheizung: Die niedrigen Preise entlasten das Budget. Trotzdem gibt es drastische Schwankungen, vor allem die Tankstellen erhöhen die Bezinpreise bevorzugt in den Hauptverkehrszeiten und am Wochenende, während es sich in den frühen Abendstunden günstig tanken lässt.