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Rohöl: US-Ausstieg aus Klimaabkommen lässt Preise purzeln

5 Juni 2017

Frohlockte vor allem die US-Fracking-Industrie angesichts der Preisanstiege in den letzten Wochen, landeten die Protagonisten nun wieder auf dem Boden der Tatsachen: Der Rohölpreis hat innerhalb kürzester Frist um rund zwei Prozent nachgegeben.

Ölpreis gab Gewinn der letzten Wochen wieder ab

Bewegte sich die Sorte Brent vor wenigen Tagen noch auf einem Niveau von knapp 55 US-Dollar für das Fass und WTI immerhin über 51 US-Dollar je Barrel, sahen sich die Fracking-Unternehmen in den USA schon auf der Siegerseite: Die von der OPEC per Förderkürzung abgegebenen Marktanteile waren schon fest im Visier, denn der gestiegene Ölpreis machte die Produktion wieder rentabel. Selbst die kräftig abgebauten Rohöllagerbestände in den USA, die immerhin um 6,4 Millionen Barrel gefallen waren, deuteten auf eine hohe Benzinnachfrage hin und sollten das Feld zusätzlich bereiten – allein, es kam nicht ganz so: Brent kämpft wieder mit der 50 US-Dollar-Marke für das Fass, WTI fällt unter 48 US-Dollar je Barrel.

Vor dem Hintergrund, dass der Lagerabbau in den USA innerhalb der letzten Wochen an die 25 Millionen Barrel umfasst, deutet sich eine Marktverengung an. Auf der Angebotsseite boomt jedoch die US-Produktion, die in der letzten Woche auf 9,34 Millionen Barrel täglich und damit den höchsten Stand seit August 2015 gestiegen ist. Die Hälfte der durch die OPEC-Kürzungen frei gewordenen Marktanteile hat sich die US-Öl-Industrie bereits unter den Nagel gerissen.

Ausstieg aus dem Klimagipfel – USA gehen eigene Wege

Die Ankündigung des Ausstiegs reichte bereits aus, um den Ölpreis auf Talfahrt zu schicken – und zwar um rund zwei Prozent. Erwartet wird nämlich, dass die größte Volkswirtschaft der Welt nun die eigene Ölproduktion erst so richtig aufdrehen wird. Allerdings sind dafür die drastisch gesunkenen Ölpreise kontraproduktiv – und selbst von Experten nicht ganz nachzuvollziehen: Die reduzierten Lagerbestände deuten eine Rohölverarbeitung auf Rekordniveau sowie eine enorme Nachfrage nach Benzin an.

Derzeit testen die Ölpreise jedoch die Unterstützungslinien: Sackt Brent nachhaltig unter 50 US-Dollar für das Fass, geraten auch die 48 und in der Folge die 47 US-Dollar je Barrel in greifbare Reichweite. Kann sich WTI nicht eindeutig in Richtung 49 US-Dollar je Barrel erholen, sieht es auch hier kritisch aus. Entspannung zeichnet sich erst ab, wenn die Marke von 50 US-Dollar erreicht wird.

Vor allem Autofahrer und Heizöl-Bezieher sollten die Preise im Blick behalten und die sich eröffnenden Schnäppchen mitnehmen. Derzeit lässt sich die weitere Entwicklung nicht klar absehen, der Ölmarkt bleibt spannend.