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Rohöl verliert 40 Prozent im Jahresverlauf

12 Dezember 2014

Auch in dieser Woche gab es keine Erholung des Rohölpreises. Im Gegenteil, in den letzten 14 Tagen stürzte die amerikanische Ölsorte WTI (Western Texas Intermediate) weiter ab. Aktuell wird das amerikanische Öl mit 59,50 US Dollar pro Barrel gehandelt und somit knapp 10 US Dollar leichter als bei unserem letzten Bericht. Ebenfalls um 10 US Dollar ist der europäische Brent Crude gefallen. Diese Sorte wird im Moment mit 62,45 US Dollar pro Barrel an den Märkten gehandelt.

40 Prozent Preisverfall im Jahresverlauf 2014

Das Jahr neigt sich dem Ende. Für uns eine gute Gelegenheit, die Kursentwicklung von WTI und Brent Crude einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Zum Jahresbeginn kostete das Fass Brent Crude noch 115 US Dollar. Die amerikanische Sorte Western Texas Intermediate wurde mit 110 US Dollar gehandelt. Die meisten Analysten gingen von einem Seitwärtstrend aus. Viele erwarteten sogar leicht steigende Preise. Doch es kam anders, die Ölpreise sind in den Keller gefallen. Ohne Umschweife muss von einem Crash im Rohölhandel gesprochen werden, denn die Preise befinden sich nun 40 Prozent unter dem Niveau des Monats Januar. In Zahlen ausgedrückt hat der Rohölpreis mit 50 US Dollar pro Barrel höhere Verluste eingefahren, als während der weltweiten Finanzkrise im Jahre 2008.

Die Gründe für den Preissturz sind relativ simpel. Wie bei jedem Markt wird der Preis des Öls durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Nachfrage ist moderat gestiegen und bewegte sich im Jahresverlauf auf einem sehr stabilen Niveau. Jedoch gab es drastische Veränderungen auf der Angebotsseite. Die USA haben sich durch das Fracking zu einem der größten Ölförderländer der Welt aufgeschwungen. Gleichzeitig hat das Ölkartell OPEC seine Fördermengen stabil gehalten und befeuert so zusätzlich den Abwärtstrend. Die OPEC und hier ist der Treiber Saudi-Arabien, hat bereits bekannt gegeben, dass sie mit einem Ölpreis von 45 US Dollar leben kann. Der „Break-Even-Preis“ des amerikanischen WTI beträgt ca. 42 US Dollar. Verlierer ist ganz klar der europäische Brent Crude. Dieses Öl wird besonders aufwendig durch tiefe Bohrungen in schwer zugänglichen Gebieten gewonnen. Zudem stammt ein Großteil aus Offshore Plattformen, dessen Betrieb als besonders kostspielig gilt. Damit das europäische Öl gewinnbringend verkauft werden kann, ist ein Mindestpreis von knapp 70 US Dollar nötig. Gewinner sind ganz klar die Verbraucher und die Industrie. Die Aktien von Fluggesellschaften zum Beispiel erleben einen wahren Boom.

Einen Ausblick auf das Jahr 2015 zu geben, ist relativ schwierig. Das Angebot könnte sogar noch weiter zunehmen, wenn auch zusätzlich noch andere Länder mit dem Fracking beginnen. Ein großer wirtschaftlicher Aufschwung wird hingegen nicht erwartet. Weder aus China, Indien oder Brasilien kommen entsprechende positive Impulse. Die Industrienationen haben schon jetzt ihre Grenzen erreicht, mehr als zwei bis drei Prozent Wachstum erwartet keiner der Industriestaaten. Das Gespenst vom „Peak-Oil“ ist nicht mehr so angsteinflößend – auch Dank des Frackings.

Heizöl und Kraftstoff

Autofahrer können sich über die günstigen Spritpreise freuen. Sogar ein Preis von 1,20 Euro pro Liter Super 95 ist denkbar. Die Heizöltanks können 20 Prozent günstiger als zum Jahresbeginn befüllt werden. Hier hemmt nur der schwache Eurokurs noch günstigere Preise.