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Rohölpreis aktuell: Auf oder ab? Die Meinungen gehen weit auseinander!

18 Juni 2019

Es ist gefährlich im Golf von Oman: Die Zwischenfälle machen klar, dass nicht nur die Öl-Lieferkette ausgesprochen fragil ist. Bislang hat sich die Entwicklung kaum auf den Ölpreis ausgewirkt – wird das so bleiben?

Eskalation im Golf von Oman – Ausgang ungewiss

Mehrere Nachrichtenagenturen meldeten zwei mutmaßliche Angriffe auf Tanker im Golf von Oman: Eines der Schiffe, nämlich das der Reederei Bernhard Schulde Shipmanagement in Hamburg, hatte Methanol geladen, das andere mit 75.000 Tonnen Naphata, also Rohbenzin, an Bord gehört offenbar dem Eigner Frontline, der in Norwegen ansässig ist. Das genaue Geschehen liegt immer noch im Dunklen, auch wenn tagtäglich vermeintlich neue Beweise auftauchen. Diese Vorkommnisse machen eines deutlich: Die Straße von Hormus ist ein gefährliches Nadelöhr, das den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Genau hier liegt die Achillesferse der westeuropäischen Ölversorgung, aber auch der Transporte nach Japan und in die USA, denn der Weg über die Ozeane ist nach wie vor der wichtigste für die Golfregion.

So wäre es nur plausibel gewesen, wenn die Ölpreise drastisch auf diese Bedrohung der Lieferkette reagiert hätten. Zunächst sah es auch so aus, denn der Ölpreis stieg um mehr als vier Prozent – die Sorte Brent auf weit über 62 US-Dollar je Barrel, WTI auf mehr als 53 US-Dollar für das Fass. Einige Experten sahen hier schon eine Trendwende, da die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer sich nun von den US-Lagerbeständen weg und hin zur fragilen Angebotssituation bewegen könnte. Letztendlich wird ein großer Teil der zu erwartenden OPEC-Gesamtproduktion von 29,8 Millionen Barrel täglich verschifft: Ganze 18 Millionen Barrel Öl gehen dann Tag für Tag durch die Straße von Hormus.

Ölpreis bleibt stabil – wie geht es weiter?

Und doch pendelten sich die Ölpreise wieder auf ein moderates Niveau ein: Brent bewegt sich um 61 US-Dollar je Barrel, WTI fällt auf 52 US-Dollar für das Fass zurück. Hier könnten sich die anderslautenden Prognosen durchsetzen, die in erster Linie die durch den Handelskrieg zwischen USA und China im Fokus haben. Verschärfen sich die Spannungen nämlich, droht die Nachfrage einzubrechen, weil sich die Weltwirtschaft weiter abkühlt. In der Folge wäre ein Ölpreisniveau von 45 US-Dollar je Barrel durchaus möglich. Allerdings darf bei dieser Betrachtung nicht vergessen werden, dass die USA auch gegen den Iran agieren und die Sanktionen aufrechterhalten. Das iranische Öl fehlt somit am Markt – und das dürfte insbesondere die Sorte Brent treffen. Die Situation am Ölmarkt ist angespannt, derzeit herrscht offenbar die berühmte Ruhe vor dem Sturm.