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Rohölpreis gerät erneut unter Druck: Kommt das Handelsabkommen – oder nicht?

19 November 2019

Zeigten sich die Ölpreise in der letzten Woche noch sehr robust, verloren sie gestern wieder an Boden: Aktuell notiert WTI bei knapp 57 US-Dollar je Barrel und Brent bei guten 62 US-Dollar je Fass – von Stabilität kann jedoch keine Rede sein.

China und USA: Rückt Einigung in weite Ferne?

Konnten zunächst die positiven Meldungen aus Washington den Optimismus der Marktteilnehmer in puncto Handelsstreit anfeuern, kehrt offenbar langsam Ernüchterung ein: Die chinesische Seite präsentierte sich demnach deutlich weniger zuversichtlich, dass es in absehbarer Zeit zu einer Einigung kommen könnte. Demnach trage sich China mit dem Gedanken, zunächst das gegen US-Präsident Donald Trump angestrebte Amtsenthebungsverfahren oder sogar die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr abwarten zu wollen. Diese abwartende Haltung sorgte für erneuten Druck auf die Rohölpreise, die zu Beginn der neuen Handelswoche entsprechend korrigierten: Brent verlor im Vergleich zum Freitag 1,19 US-Dollar je Barrel, bei WTI belief sich der Rücksetzer auf 1,07 US-Dollar je Fass. Wie es weitergeht, darüber streiten sich die Experten.

Chartanalyse: Auch hier widersprüchliche Signale

Während einige erfahrene Analysten insbesondere bei WTI zunächst einen Preisanstieg, dann jedoch ein erhebliches Verlustpotenzial – immerhin bis auf 30 US-Dollar für das Fass – ausmachen, positionieren sich andere in puncto Brent positiver: Nach einem Jahreshöchststand bei 75,60 US-Dollar für das Fass, den die Ölsorte im Frühjahr dieses Jahres verzeichnete, folgte im Sommer ein Absturz um 26 Prozent auf 55,88 US-Dollar je Barrel. Erst Anfang Oktober startete eine Phase der Bodenbildung. Von hier aus entwickelte sich der Ölpreis für Brent wieder in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts, aber auch eines Widerstandes bei 64 US-Dollar für das Fass. Den gilt es, nun im Auge zu behalten: Schafft es Brent, diese Marke nach oben zu durchbrechen, könnte dies die Kauflaune ankurbeln – zumindest auf Tagesbasis. Dann eröffnet sich nämlich die Chance auf einen Anstieg in Richtung des nächsten Widerstandes bei 65,57 US-Dollar je Barrel. Selbst bei einem anschließenden – und durchaus wahrscheinlichen – Pullback dürften Marktteilnehmer dann ganz vorsichtig die Marke von 70 US-Dollar ins Auge fassen. Auf der anderen Seite spielt das Niveau um 60 US-Dollar für das Fass eine wichtige Rolle: Fällt Brent unter diese Linie, kann es noch deutlich abwärtsgehen. Selbst ein erneutes Erreichen des Sommertiefs ist dann nicht auszuschließen.

Unter dem Strich zeigt sich in diesen sehr weit auseinandergehenden Prognosen die Fragilität der Märkte: Die gesamte Nachfrage-Entwicklung hängt davon ab, ob die Weltwirtschaft durch den Handelskrieg weiter beeinträchtigt wird – wir können derzeit nur abwarten.