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Rohölpreis: Lagerbestände, Iran und OPEC – wie weit geht es noch nach oben?

1 Juli 2019

Gefallene Ölbestände in den USA, geopolitische Konflikte und eine OPEC, die über die Verlängerungen der Förderkürzungen berät – für die Ölpreise stehen die Ampeln auf Grün. Bislang fiel der Preisanstieg moderat aus – wie geht es weiter?

Hohe Nachfrage oder knappes Angebot? US-Lager leerer als gedacht

Die Analysten waren zwar von geschrumpften Ölvorräten in den USA ausgegangen, sie hatten mit einem Minus von 2,8 Millionen Barrel gerechnet, dann kam jedoch die große Überraschung: Der Rückgang belief sich nämlich auf ganze 12,8 Millionen Barrel und war damit so groß wie seit dem Herbst 2016 nicht mehr. Die Rohölbestände sanken somit in der Vorwoche auf 469,6 Millionen Barrel. Die Folge: Die Ölpreise stiegen deutlich – die Sorte WTI auf mehr als 59 US-Dollar je Fass, Brent auf über 66 US-Dollar je Barrel. Bislang halten die Experten sich in der Ursachendefinition zurück, ein Blick auf die aktuellen Ereignisse lässt jedoch einige Annahmen zu.

Konfliktherd Iran: Ausgang ungewiss

Die US-Drohungen in Richtung Iran lassen es nicht an Deutlichkeit fehlen, laut einigen Pressemeldungen ist die Welt nur ganz knapp einem neuen Kriegsherd entkommen. Auch wenn der Iran wegen der seit Jahren geltenden Sanktionen keine gravierende Rolle mehr auf dem Ölmarkt spielt, würde sich eine militärische Auseinandersetzung – insbesondere die Blockade der Straße von Hormuz – extrem auf die Versorgungssicherheit auswirken. Zunächst steht jedoch das Atomabkommen mit dem Iran auf der Tagesordnung, wenn Diplomaten aus Deutschland, Russland, Großbritannien, Frankreich und China gemeinsam mit dem iranischen Vize-Außenminister in Wien darum bemühen, das Scheitern zu verhindern. Streitpunkt ist die vereinbarte Obergrenze bei der Uran-Anreicherung, mit der die militärische Verwendung des Materials ausgeschlossen werden soll. Die USA waren bereits aus dem Abkommen ausgeschieden, statt Wirtschaftsförderung folgten Sanktionen. Hier ist noch alles offen.

OPEC-Einfluss – wirken sich Beschlüsse noch aus?

Anfang kommender Woche findet in Wien eine weitere wichtige Tagung statt: Die OPEC+-Staaten werden zur weiteren Förderpolitik beraten. Im Raum steht die Verlängerung der Förderkürzungen um 1,2 Millionen Barrel täglich, die im Dezember beschlossen worden waren. Allerdings handelt sich hier um eine Absichtserklärung, die von den OPEC-Mitglieder und kooperierenden Ölnationen mehr oder weniger flexibel eingehalten wird. Da der in der österreichischen Hauptstadt diskutierende Kreis jedoch fast die Hälfte des globalen Ölangebotes abbildet, hat diese Entscheidung doch durchaus Gewicht. Es bleibt also abzuwarten, wie die anstehenden Entscheidungen ausfallen, allerdings sollten alle Marktteilnehmer mit weiter steigenden Ölpreisen rechnen.