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Rohölpreis nach kurzem Höhenflug zurück auf dem Boden der Tatsachen

4 Mai 2019

Nachdem sich Öl sprunghaft verteuert hatte, folgte prompt die Korrektur: Angesichts der hohen Produktionszahlen und steigenden Lagerbestände fiel der Ölpreise teilweise um mehr als 3 US-Dollar je Barrel. Aussichten ungewiss.

Ölpreis korrigiert nach OPEC-Meldungen

Die Sorte Brent verbilligte sich von knapp 75 US-Dollar auf kurzzeitig weniger als 70 US-Dollar je Barrel, WTI fiel von über 66 auf reichlich 62 US-Dollar für das Fass – der Höhenflug des Ölpreises war nur von kurzer Dauer. Auslöser war zunächst die Meldung, dass die russische Rohölförderung im Monat April deutlich höher war, als die Vereinbarungen mit der OPEC dies hatten erwarten lassen. Diese hatten sich nämlich für das erste Halbjahr auf eine deutliche Reduzierung der Fördermenge geeinigt. Mit diesen Maßnahmen soll das globale Angebot so verknappt werden, dass die Ölpreise auf einem lukrativen Niveau gehalten werden können. Auch die Probleme bei den russischen Öllieferungen nach Europa dürften ihren Beitrag geleistet haben, zwischenzeitlich wurde die Versorgung jedoch wieder aufgenommen.

US-Daten verstärken die Preisentwicklung

Auch die Entwicklungen auf der anderen Seite des Globus befeuerten den Preisverfall: Die US-Förderung stieg auf 12,3 Millionen Barrel täglich – und markierten einen neuen Rekordwert. Gleichzeitig stiegen die Rohölbestände, hier ist wegen der beginnenden Wartungssaison in den Raffinerien noch kein Ende in Sicht. Aber auch die US-Ölexporte machen von sich reden: Sie sind erstmals auf mehr als drei Millionen Fass täglich gestiegen, was die USA auf dem weltweiten Ölmarkt auf eine neue Position hebt. Hier dürfte sich noch einiges tun, wenn die Infrastrukturverbesserungen richtig greifen und das Ölfeld im Permian-Becken an den globalen Markt angeschlossen ist. Die steigende US-Produktion entspannt also die globale Angebotslage, die wegen der US-Sanktionen gegen Venezuela und den Iran, aber eben auch wegen der Gefährdung der Rohölförderung in Libyen unter Druck geraten war.

Mit Spannung dürfen daher die OPEC-Beratungen im Juni erwartet werden: Russland und die Organisation erdölexportierender Länder wollen demnach über die weitere Strategie sprechen. Während eine ganze Reihe der OPEC-Mitglieder die Kürzungspolitik fortsetzen will, geht Russland wohl andere Wege. Das dürfte nicht zuletzt an den steigenden US-Förderquoten liegen, die den OPEC-Maßnahmen nicht nur den Boden entziehen, sondern die Marktsituation sukzessive verschieben. Was wiegt also schwerer: das Gewinnpotenzial höherer Preise oder das kürzungsbedingte Risiko, Marktsegmente an die Konkurrenz zu verlieren? Grundsätzlich spricht die Angebotslage für weiter fallende Ölpreise. Es stellt sich nur die Frage, ob deutsche Autofahrer dies auch an der Tankstelle zu spüren bekommen – bislang war dies nicht zu beobachten.