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Rohölpreis: OPEC-Vorgaben fest im Blick – wie weit geht der Anstieg noch?

20 April 2018

Es gab am Freitagmorgen nur eine kurze Pause, bevor die Ölpreise sich wieder in Bewegung setzten – nämlich aufwärts. Die Lagerbestände gingen zurück, die OPEC-Ölproduktion soll auch weiterhin gedrosselt bleiben.

US-Lagerbestände als kräftiger Preistreiber

Mit einem Ausflug über die Marke von 74 US-Dollar für das Fass Brent und knapp 70 US-Dollar für WTI tendierte der Ölpreis in den letzten Tagen klar in Richtung der von der OPEC vorgegebenen Preisspanne von 80 bis 100 US-Dollar je Barrel. Zunächst sorgten aber die überraschend gefallenen Lagerbestände in den USA für diesen Auftrieb: Die Ölreserven waren nämlich in der Vorwoche um mehr als eine Million Barrel auf 427,6 Millionen Fass gefallen – und das entgegen allen Erwartungen der Analysten, die von einem Anstieg ausgegangen waren. Zwischenzeitlich wurde die rasante Entwicklung zwar gestoppt, allerdings lohnt sich ein Blick auf die anderen Einflussfaktoren.

OPEC mit klarer Strategie – Tagung in Saudi-Arabien

Die Marschroute ist vorgegeben, zumal der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse gehen will – ein hoher Ölpreis wäre also ausgesprochen förderlich. Für diesen Freitag ist ein Treffen der OPEC-Vertreter und Russlands in Saudi-Arabien angesetzt, die Verlängerung der Begrenzung der Ölproduktion, die ohnehin im März in ungekanntem Maße gedrosselt wurde, dürfte der wichtigste Tagesordnungspunkt sein. Das derzeitige Preisniveau von deutlich über 70 US-Dollar für das Fass kommt der Organisation bereits entgegen, zumal dem einstigen globalen Überangebot bereits entgegengewirkt werden konnte. Allerdings steht im Raum, dass statt der bisher als Referenz verwendeten Lagerabweichung im Fünf-Jahres-Durchschnitt künftig auf einen längeren Vergleichszeitraum zurückgegriffen werden könnte – dann wäre nach wie vor ein Überangebot vorhanden.

Gleichzeitig mussten die OPEC-Mitgliedsstaaten unfreiwillige Förderkürzungen hinnehmen, wie beispielsweise in Venezuela oder in Libyen, deren Ausgleich jedoch nicht angestrebt wird. Offensichtlich setzt die Organisation verstärkt auf eine Verknappung, um den Ölpreis weiter stabilisieren und in die Höhe treiben zu können. Allerdings ist diese Strategie durchaus gefährlich: Einerseits könnten deutlich höhere Preise die Nachfrage bremsen. Andererseits würden die US-Schieferölförderung, aber eben auch die Tiefenbohrungen in den Gewässern vor Brasilien und Mexiko noch lukrativer werden. Ohnehin hat die US-Ölproduktion bereits eine Dimension erreicht, die sie nicht nur weitestgehend unabhängig von Importen, sondern auch der OPEC einige Marktanteile streitig machen. Ob die Organisation das Ziel beim Ölpreis erreicht, bleibt also abzuwarten. Die Auswirkungen auf den Benzinpreis an den deutschen Tankstellen und auf den Markt für Heizöl werden hingegen nicht lange ausbleiben.