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Rohölpreis: Vorerst Stagnation – wie geht es weiter?

28 Januar 2019

Derzeit bestimmen widersprüchliche Impulse den Ölmarkt, die Ölpreise stagnieren in der Folge: Brent notiert bei reichlich 61 US-Dollar das Fass, WTI bei knapp 54 US-Dollar je Barrel – und bewegen sich (vorerst) seitwärts.

US-Daten ohne Folgen für Ölpreisentwicklung

Die US-Rohölbestände sind laut US-Energieministerium in der Vorwoche um 8 Millionen auf 445 Millionen Barrel gestiegen. Damit bewegen sich die Bestände auf einem Niveau, das den Durchschnitt der letzten fünf Jahre um rund neun Prozent übersteigt. Auch die Benzinbestände haben zugelegt, während die Destillat-Vorräte leicht zurückgegangen sind. Die Ölförderung bleibt in den USA stabil, derzeit werden 11,9 Millionen Barrel täglich gemeldet – die USA sind somit die Nummer 1 in der Welt. Die Anzahl der Förderanlagen war zuletzt gesunken, die aktiven Bohrlöcher werden deswegen im Fokus der Marktbeobachter bleiben, wird doch eine Verlangsamung des Wachstums in der US-Schieferölförderung erwartet.

OPEC, Wirtschaftsentwicklung und Venezuela – weitere Einflüsse auf den Ölpreis

Wichtiger für den Ölmarkt waren offensichtlich die Entwicklungen an den Aktienmärkten, die sich nur langsam wieder erholen. Während einige Experten nur von einem Rückgang der Wachstumsquoten ausgehen, sprechen andere von einer sich abzeichnenden Rezession. In jedem Fall werden diese Entwicklungen Auswirkungen auf die Ölpreise haben. Die OPEC hat bereits reagiert und am Freitag einen um 30 Cent niedrigeren Preis für die relevanten Sorten des Kartells ausgegeben, nämlich 60,22 US-Dollar für das Fass. Nun bleibt abzuwarten, ob weitere Kürzungsmaßnahmen bei den Förderquoten ergriffen werden.

So ist es nicht verwunderlich, dass Öl alle kleinen Gewinne aus dem frühen Freitagshandel schnell wieder abgegeben hat. Allerdings gibt es auch Impulse, die den Ölpreis nach oben treiben könnten: Die gravierende politische Krise, die Venezuela derzeit erschüttert, könnte zu weiteren Ausfällen in der Ölproduktion führen. Venezuela ist OPEC-Mitglied und sieht sich einem heftigen Machtkampf zwischen Regierung und Opposition ausgesetzt. Juan Guaidó, der Chef des Parlamentes, hatte sich in dieser Woche selbst zum Interimspräsidenten ernannt, was einer offenen Herausforderung von Staatschef Nicolás Maduro gleichkommt. So bleibt die Lage weiterhin ausgesprochen kompliziert und undurchsichtig, was Prognosen in puncto Ölproduktion sehr schwierig macht. Sollten hier weitere Einschnitte folgen, dürften die Ölpreise wieder nach oben klettern.

Für deutsche Autofahrer bedeutet dies eine kleine Verschnaufpause, die Fahrt zur Tankstelle lohnt sich im Moment – auch wenn das Preisgefälle regional sehr groß ist. Wie lange sich die widersprüchlichen Preisfaktoren noch die Waage halten, ist nämlich nicht abzusehen.