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Rohölpreise auf hohem Niveau – trotz Rekordförderung in den USA

21 September 2018

Mit knapp 79 US-Dollar für das Fass Brent und mehr als 70 US-Dollar je Barrel WTI bewegen sich die Ölpreise stabil auf einem hohen Niveau. US-Präsident Trump sorgte zwar wieder für Aufregung, allerdings hat er sich die Entwicklung auch selbst zuzuschreiben.

Preistreiber 1: US-Rohölbestände wieder geschrumpft

Bereits in der fünften Woche gingen die Rohölbestände in den USA zurück – sie fielen nunmehr auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Die Nachfrage nach Ölprodukten lag zudem in den letzten vier Wochen deutlich über dem Niveau des Vorjahres, sodass selbst der im Vergleich geringere Durchsatz in den Raffinerien den Bestandsabbau nicht verhindern konnte. Gleichzeitig ist die Rohölförderung in den Vereinigten Staaten wieder angestiegen, sie beläuft sich aktuell auf 11 Millionen Barrel täglich. Allerdings scheinen sich die Marktteilnehmer mehr von den globalen Entwicklungen beeindrucken zu lassen, sodass der Ölpreis für Brent in den letzten Tagen Marke von 80 US-Dollar für das Fass kratzen konnte.

Preistreiber 2 und 3: OPEC vs. Donald Trump

Mal wieder sorgte US-Präsident Trump per Twitter für Aufregung: Er forderte nämlich die OPEC zur Senkung der Ölpreise auf – gewirkt hat der Appell jedoch nicht. Auch wenn Trump das Ölkartell schon seit längerer Zeit für seine Angebotspolitik kritisiert, sollte er doch auch seine eigene Politik im Blick behalten. Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran und das damit verbundene Ölembargo dürfte viel mehr zur Angebotsverknappung beitragen, als die OPEC das jemals gekonnt hätte. Anfang November soll es so weit sein, die USA wollen nicht weniger, als den iranischen Ölexport zu stoppen. Auch wenn die Schätzungen zu den möglichen Auswirkungen auseinandergehen, wenden sich doch bereits erste Kunden der iranischen Ölindustrie ab und decken seit August bereits ihren Bedarf anderswo.

Ob sich allerdings die US-Annahme, dass Russland neben Saudi-Arabien mit einer Förderausweitung die zwangsläufigen Engpässe verhindern könnte, als richtig erweist, bleibt abzuwarten. Insbesondere Saudi-Arabien könnte sich verweigern, da dort das höhere Preisniveau als fair und nachhaltig eingeschätzt wird. Mit diesen strategischen Überlegungen werden sich am Sonntag die Vertreter der OPEC und einiger Nicht-OPEC-Staaten bei ihrem Treffen in Algier befassen, zumal die Verteilung der höheren Fördermengen zur Diskussion steht.

Für Autofahrer und Heizölbezieher dürfte die Situation kaum besser werden, auch die Bestrebungen von Donald Trump werden nicht viel ändern, solange er mit seiner Sanktionspolitik seine eigenen Forderungen konterkariert. Es könnte also ein relativ teurer Winter werden, kleinere Preisschwankungen sollten als gute Gelegenheiten genutzt werden.