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Rohölpreise fester: Deutet sich hier ein Comeback an?

6 April 2020

Nach dem drastischen Ölpreisverfall der letzten Wochen deutet sich aktuell eine Trendwende an: Brent konnte in den letzten zwei Tagen um 9 US-Dollar je Barrel und WTI um rund 7 US-Dollar je Fass zulegen. Ist der Preiskrieg zu Ende?

Erster Impuls: China will Ölreserven ausbauen

Die Nachrichten Bloomberg veröffentlichte eine Meldung aus China, nach der das Land die extrem niedrigen Ölpreise zum Ausbau der staatlichen Ölbestände ausnutzen wolle. Allerdings steht diese Nachfrage der massiven Überversorgung auf dem Ölmarkt gegenüber: Allein Saudi-Arabien hatte beispielsweise die tägliche Fördermenge auf 12 Millionen Barrel erhöht. Auf eine Kürzung wolle sich das Königreich nur einlassen, wenn sich alle anderen relevanten Ölförder-Staaten sich daran beteiligen.

Der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland geht damit in eine weitere Runde, was selbst US-Präsident Trump im Laufe der Woche zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasste: Er wolle in diesem Konflikt vermitteln. Es war wiederum ein Tweet des US-Präsidenten, der für Aufruhr am Ölmarkt sorgte. Er hatte angedeutet, über Förderkürzungen nachdenken zu wollen. Bereits zuvor war gemeldet worden, dass Russland seine Förderquote nicht mehr weiter anheben wolle. Wie aus russischen Regierungskreisen berichtet wurde, will sich auch der russische Präsident Putin einschalten.

Zweiter Impuls: Preiskrieg kommt in Bewegung

Im Zuge dieser neuen Entwicklung erhielten die Ölpreise am Freitag deutlichen Auftrieb: Brent notiert aktuell bei 33 US-Dollar für das Fass, WTI bei 27 US-Dollar je Barrel. Offenbar soll es bereits am Montag ein Treffen der unter der Bezeichnung OPEC+ organisierten Mitglieder der OPEC und weiterer Ölförder-Staaten, zu denen vor allem Russland zählt. Nun bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Ölnationen einigen können.

In den letzten Wochen hatte nicht nur die Corona-Krise mit den zur Eindämmung verhängten Lockdown-Maßnahmen für einen drastischen Einbruch der Ölnachfrage und in der Folge für fallende Ölpreise gesorgt. Es war insbesondere dieser Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland, der den Abwärtstrend befeuerte. Die beiden wichtigen Ölnationen konnten sich nicht auf eine Förderkürzung zur Preisstabilisierung einigen – allen eigenen Problemen zum Trotz. Die Risiken weiterer Kürzungen waren auch greifbar: Je mehr Marktsegmente die OPEC+-Länder freigaben, desto besser konnte sich das US-amerikanische Fracking-Öl auf dem Markt etablieren.

Es ist und bleibt also eine zweischneidige Klinge, mit der Protagonisten hier zu kämpfen haben. Abzuwarten bleibt deshalb, ob den Streitparteien am Montag ein probates Mittel einfällt. Bis dahin dürfte sich der Ölpreis weiter stabilisieren, der ganze große Ruck wird aber wohl noch ausbleiben.