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Rohölpreise geben wieder nach – eskalierender Handelsstreit belastet

6 April 2018

Sie streiten sich, wollen verhandeln und greifen doch wieder in die Sanktionskiste: USA und China sind noch weit von einer Einigung entfernt. Der Ölpreis spiegelt die Entwicklungen eindrücklich wider – aktuell geht es wieder etwas bergab.

Globales Umfeld drückt auf den Ölpreis

Die Marke von 68 US-Dollar je Barrel scheint derzeit für die Sorte Brent das Maß der Dinge zu sein, WTI notiert etwas über 63 US-Dollar für das Fass – weder geschrumpfte US-Vorräte noch gesunkene Fördermengen können eindeutige Impulse geben. Offenbar sind die Befürchtungen zu groß, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China eskalieren und globale Kreise ziehen könnte. Und dafür zeichnet US-Präsident Trump verantwortlich, der offenbar seinen Handelsbeauftragten Lighthizer mit der Prüfung weiterer Strafzölle auf chinesische Importe betraut hat. Volumen: 100 Milliarden US-Dollar. Trump empfindet die Vergeltungsmaßnahmen von Seiten Chinas als unfair – und will zurückschlagen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich nachvollziehen, dass sich erneut Sorgen vor einem Abflauen der Weltwirtschaft und der daraus folgenden sinkenden Öl-Nachfrage breitmachen. Noch zur Mitte der Handelswoche hatte sich die Stimmung etwas aufgehellt, als die beiden Parteien sich verhandlungsbereit zeigten. Der Ölpreis kletterte daraufhin auf 68,50 US-Dollar je Fass Brent, gab aber angesichts der erneuten Verschärfung der Tonlage die Gewinne wieder ab. Nun bleibt abzuwarten, ob und welche Maßnahmen die USA in die Waage werfen werden.

Ölmarkt bleibt trotzdem angespannt – Produktionskürzungen greifen

Der unerwartet starke Rückgang um 4,6 Millionen Barrel Rohöl in den US-Lagern machte sich als wirksamer Preistreiber bemerkbar: Die Netto-Importe waren deutlich gesunken, was angesichts der steigenden Rohölverarbeitung die Bestände schrumpfen ließ. Selbst die weiter wachsende US-Rohölproduktion konnte die Wirkung nicht auffangen, da die OPEC ihre Kürzungen fortsetzt: Für den März wurden deutlich niedrigere Förderquoten gemeldet. Vor allem Venezuela fiel mit einer Kürzung um 100.000 Barrel täglich auf, in Algerien machen sich Wartungsarbeiten und in Libyen die zeitweise Schließung einiger Ölquellen bemerkbar. Selbst Saudi-Arabien bleibt mit täglich 9,87 Millionen Barrel deutlich unter dem Zielwert.

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen und sich die OPEC-Fördermenge auf 32 Millionen Barrel pro Tag einpegeln, droht sogar eine Unterversorgung: Die aktuelle Schätzung der IEA geht nämlich davon aus, dass der Bedarf an OPEC-Öl bei durchschnittlichen 32,5 Millionen Barrel täglich liegt. Es sei denn, der Handelskrieg eskaliert weiter und drückt die globale Nachfrage – der Ölmarkt reagiert derzeit ausgesprochen sensibel auf kleinste Impulse, Anleger sollten die Nachrichten im Blick behalten.