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Rohölpreise legen Zwischenspurt hin – wie nachhaltig ist der Anstieg?

5 April 2019

In dieser Handelswoche profitierten die Ölpreise von Gerüchten rund um den Handelskrieg zwischen China und den USA: Brent eroberte kurzfristig die Marke von 70 US-Dollar für das Fass, WTI schaffte den Satz auf 63 US-Dollar je Barrel – wie geht es nun weiter?

China und USA – Ende eines Handelskrieges in Sicht?

Eine kleine Meldung schaffte es, die Ölpreise kräftig nach oben zu treiben: Die Financial Times berief sich auf mit den Verhandlungsdetails vertraute Experten, die von einem Durchbruch in den Auseinandersetzungen der beiden wichtigsten Volkswirtschaften dieser Welt berichteten. Es wäre demnach der Großteil der strittigen Punkte geklärt, was eine Einigung nun möglich mache. Allerdings müsse eine wichtige Frage noch geklärt werden: Wie lassen sich die von den USA bereits verhängten Strafzölle wieder aufheben? Angesichts der Tragweite der Entscheidungen sollte dies eine lösbare Aufgabe sein.

Für die Märkte reichten diese Nachrichten aus, um erneut ein Kursfeuerwerk einzuleiten. Nicht zuletzt die jüngsten Indizien, dass Chinas Wirtschaft wieder stärker wachsen könnte, als zuletzt befürchtet worden war, dürften diesen übermäßigen Optimismus unterstützt haben. Unter dem Strich bleiben die Aktienmärkte nämlich nach wie vor überverkauft, Korrekturen werden immer wahrscheinlicher. Und doch profitierten die Ölpreise kräftig – selbst die gestiegenen US-Lagerbestände und schwachen US-Konjunkturdaten konnten dies nicht ändern.

US-Lager füllen sich – Förderquoten erneut gestiegen

Um ganze 7,2 Millionen Barrel stiegen die Rohölbestände in den USA an, sie belaufen sich jetzt auf 449 Millionen Barrel. Die Vorräte an Benzin und Destillaten gingen hingegen zurück – ebenso die Nachfrage nach Produkten, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent zurückliegt. Die US-Ölförderung kletterte hingegen auf einen rekordverdächtigen Stand von 12,2 Millionen Barrel pro Tag, was angesichts der Förderkürzungen der OPEC Chancen auf neue Marktanteile eröffnet. Die USA profitieren also gleich doppelt: Einerseits halten die OPEC-Maßnahmen die Preise auf einem relativ hohen Niveau, andererseits können sie möglicherweise nicht eingehaltene Lieferverpflichtungen der OPEC-Produzenten übernehmen.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die Stabilität des Ölpreisanstiegs, dem die aktuellen US-Lagerdaten nichts anhaben konnten. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, muss jedoch abgewartet werden. Allein die europäischen Konjunkturdaten sollten nämlich vorsichtig machen: Die deutsche Industrie verzeichnete zum Beispiel im Februar 4,2 Prozent weniger Auftragseingänge als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum muss sogar ein Rückgang um 8,4 Prozent konstatiert werden. Der deutsche Wirtschaftsboom könnte zu Ende gehen – und das wird natürlich auch Auswirkungen auf die Nachfrage und damit den Preis für Öl haben.