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Rohölpreise leicht erholt: Öl-Konzerne streichen Investitionen – Dividenden werden gezahlt

4 Mai 2020

Zum Ende der letzten Handelswoche konnten sich die Ölpreise leicht erholen – und das nicht zuletzt wegen der Bestandsentwicklung in den USA. Allerdings geht die internationale Energieagentur (IEA) von einem niedrigen Energiebedarf aus. Die Freude könnte also von kurzer Dauer sein.

Höhere US-Ölbestände – doch Anstieg bleibt unter Prognosen

Um 9 Millionen Barrel auf 527,6 Millionen Barrel stiegen die Rohölbestände der USA – sie übersteigen somit den Fünf-Jahres-Durchschnitt um zehn Prozent. Gleichzeitig sanken die Benzin-Bestände um 3,7 Millionen Barrel, während die Destillat-Vorräte um 5,1 Millionen Barrel zulegten. Ölprodukte wurde demnach in einer Größenordnung von 14,5 Millionen Barrel nachgefragt, was einem Minus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das dürfte laut EIA nur ein Vorgeschmack dessen sein, was in der nächsten Zeit vor uns liegt: Hier wird nämlich ein drastischer Rückgang der weltweiten Öl-Nachfrage um rund sechs Prozent erwartet, was angesichts der Lockdown-Verordnungen auf der Hand liegt. Als historischen Schock für die Energiebranche bezeichnet der IEA-Generalsekretär die Entwicklung, die sich nach seiner Meinung insbesondere auf Öl, Kohle und Gas auswirken wird.

Trotzdem fiel der Bestandszuwachs in den USA geringer aus, als von den Experten befürchtet worden war – zumal die US-Raffinerien jüngst wieder mehr Rohöl verarbeitet haben. Daraus leiten einige Rohstoffexperten ein positives Signal ab, das Schlimmste könnte demnach für den globalen Ölmarkt schon geschafft sein. Auch die News aus China gehen in diese Richtung, denn dort konnte die Nachfrage nach Ölerzeugnissen wieder auf 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus ansteigen. Auf der Angebotsseite gibt es jedoch auch einiges zu vermelden: Norwegen will beispielsweise die Rohöl-Produktion ab Juni bis Dezember reduzieren, auch in einigen US-Bundesstaaten wird diese Lösung angestrebt. Ob das jedoch ausreichen wird, bleibt abzuwarten.

US-Öl-Giganten üben sich in Optimismus – und zahlen Dividenden

Darren Woods, seines Zeichens ExxonMobil-Chef, sieht weiterhin die Chancen für eine positive Entwicklung. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse präsentierte er sich ausgesprochen optimistisch: Auf lange Sicht ist die Welt in Ordnung – und das auch angesichts der Corona-Krise, die er als überwindbare Delle bezeichnet. Seine Begründung: Die Weltbevölkerung wächst weiter, alle brauchen Energie – nach diesem Motto hat eine ganze Branche in den letzten 150 Jahren erfolgreich gewirtschaftet. Doch auch ExxonMobil muss Abstriche machen, das für 2020 geplante Investitionsprogramm wird auf 30 Prozent zusammengestrichen, Unternehmensanleihen aufgelegt. Doch ein Punkt bleibt sakrosankt: Die Dividende wird weiterhin ausgezahlt – zumindest noch.