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Rohölpreise: Marktsituation bleibt fragil – was braut sich in und um China zusammen?

10 Juli 2020

Bei den Ölpreisen ging es in der letzten Zeit bevorzugt seitwärts, echte Impulse scheinen zu fehlen. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass wir es mit einem fragilen Gleichgewicht gegensätzlicher Tendenzen zu tun haben – Ausgang ungewiss.

Ölpreise: Ein Auf und Ab – und doch nur seitwärts

Nach einem leichten Anstieg der Ölpreise kamen diese zum Ende der Handelswoche wieder unter Druck – Auslöser war wohl in erster Linie die erneute Inbetriebnahme des bedeutenden libyschen Ölfeldes bei Messla. Dieses war ebenso wie ein Raffinerie zuvor wegen technischer Schwierigkeiten geschlossen worden. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das von Bürgerkriegen erschütterte Libyen über die größten, bislang erkundeten Vorkommen an Erdöl in Afrika verfügt. Nun trifft diese zusätzliche Ölfördermenge auf einen Markt, der bereits übersättigt ist – die Nachfrage ist nach wie vor nicht relevant angestiegen.

Auf der anderen Seite halten sich die OPEC+-Staaten offenbar diszipliniert an die vereinbarten Kürzungen, um eine Angebotsverknappung herbeizuführen und auf diese Weise die Ölpreise zu nach oben zu treiben. Derzeit reichen diese Anstrengungen jedoch nur für eine Preisstabilisierung, die Preisbildungsfaktoren gleichen sich demnach aus. Nicht zu verachten ist darüber hinaus die Besorgnis der Marktteilnehmer, dass die Corona-Krise noch lange nicht vorbei sein könnte – die jüngst wieder drastisch ansteigenden Infektionszahlen in den USA und anderen Ländern dieser Welt geben dazu Anlass. Vor diesem Hintergrund pendelte sich die Sorte Brent sich auf einem Niveau um 42 US-Dollar je Barrel ein, für WTI wurden knapp 39 US-Dollar für das Fass notiert.

USA vs. China – droht eine neue Eskalation im Handelskrieg?

Doch auch die globale Politik gibt Anlass zur Sorge: US-Truppen halten derzeit im Südchinesischen Meer Militärübungen ab – parallel dazu würden weitere Pläne vorangetrieben, um die chinesische Regierung unter Druck zu setzen. Die Begründungen sind schnell zur Hand, schließlich soll China grundsätzlich für die global grassierende Pandemie verantwortlich sein. Außerdem fühlt sich die US-Administration dafür verantwortlich, die mit dem Nationalen Sicherheitsgesetz verabschiedeten restriktiven Regelungen für Hongkong anzuprangern. So verkündete Mike Pompeo, seines Zeichens US-Außenminister, dass einige chinesische Apps wie TikTok in den USA verboten werden sollen.

Noch drastischer gehen einige Berater im Weißen Haus vor, die der US-Regierung empfehlen, den Hongkong-Dollar vom US-Dollar loszulösen. In der Folge kämen die in Hongkong ansässigen Geldhäuser deutlich schwerer an die US-amerikanische Währung – oder gar nicht mehr. Mit einem Wort: Hier zeichnen sich ab, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China völlig neue Dimensionen erreicht. Für den Ölmarkt ist dies alles andere als positiv – Autofahrer dürfen sich also über weiterhin moderate Preise freuen.