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Rohölpreise: Stabil auf höherem Niveau – Angebotssituation bleibt angespannt

8 September 2018

Die 80 US-Dollar für das Fass Brent waren in dieser Woche in Reichweite, doch dann nach der Ölpreis eine andere Entwicklung. Und doch sollten sich Verbraucher und Anleger auf weiter steigende Preise einstellen, die Unsicherheitsfaktoren nehmen zu.

Ölpreis: Nachlassender Tropensturm sorgt für Entwarnung – zumindest kurzfristig

Es sah schon danach aus, als ob der Ölpreis für Brent die wichtige Marke von 80 US-Dollar je Barrel reißen könnte, dann sackte der Preis überraschend durch: Brent fiel unter 76 US-Dollar je Barrel, WTI auf 67 US-Dollar für das Fass. Die Erwartungen waren wohl zu hoch gewesen, zumal sich die Befürchtungen in Bezug auf Förderausfälle im Süden der USA nicht bestätigte. Dort waren zwei Förderanlagen vorsorglich geschlossen worden, um sich auf den Tropensturm vorzubereiten, allerdings scheint sich der Sturm abzuschwächen.

Ohnehin hat sich das Ölangebot in den letzten Monaten verknappt, die OPEC Maßnahmen zeigen demnach selbst in den Vereinigten Staaten Wirkung: Die Rohölbestände bewegen sich um den Fünf-Jahres-Durchschnitt, was die Anfälligkeit des Marktes in puncto Produktionsausfälle naturgemäß steigen lässt. In der Vorwoche waren die Bestände laut DOE um 4,3 Millionen Barrel auf reichlich 402 Millionen Barrel gefallen – und damit stärker, als dies zunächst erwartet worden war. Damit wurde der niedrigste Stand seit dem Februar des Jahres 2015 notiert.

Angebotssituation am globalen Ölmarkt bleibt brisant

Für die Entwicklung des Ölpreises dürfte in den nächsten Wochen das Verhältnis zum Iran entscheidend sein, wie sich am Beispiel von Indien zeigt: Indien gilt als einer der bedeutendsten Abnehmer von iranischem Öl, ohne diese Importe könnte sich das Land nicht selbst versorgen. Fatal ist, dass es für das iranische Öl keinen adäquaten Ersatz gäbe – weder in Bezug auf den Preis, die komfortablen Zahlungsbedingungen und den fast kostenfreien Transport noch auf die Menge. Darüber können auch die Erklärungen des US-Außenministers Pompeo, die dieser gestern in Neu-Delhi abgegeben hat, nicht hinwegtäuschen. US-Lieferungen als Alternative ins Spiel zu bringen, dürfte ein Illusion sein.

Unter dem Strich bleiben die USA immer noch Netto-Importeur, auch wenn die Exportmengen kontinuierlich steigen. Und doch sind die Verlautbarungen von Pompeo nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Er betonte die grundsätzliche Möglichkeit von Ausnahmen, erwarte aber trotzdem, dass alle Importeure ab Inkrafttreten der Sanktionen im November auf iranisches Öl verzichten. Dann dürfte die dortige Produktion wieder drastisch zurückgehen. Indien befindet sich also in einem Dilemma, wird sich aber höchstwahrscheinlich dem US-amerikanischen Druck beugen. Die gesamte Angebotssituation wird sich also verschärfen, was den Ölpreis bis zum Jahresende deutlich nach oben treiben wird.