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Rohölpreise weiter auf hohem Niveau: Geopolitik und sinkende Bestände

7 Mai 2018

Die gestiegenen US-Rohölbestände konnten den Ölpreis nur kurz beeindrucken, nach einem Rücksetzer folgte schon zum Ende der Handelswoche eine Erholung: Die Sorte Brent notiert bei 75 US-Dollar je Barrel, WTI knackte die Marke von 70 US-Dollar für das Fass.

Trotz aller Vorsicht: Rohölpreise ziehen wieder an

Der Ölmarkt zeigt sich mit neuen Anzeichen, nicht zuletzt die OPEC-Maßnahmen, aber vor allem ungeplante Ausfälle verschieben langsam das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Selbst die auf einen Rekordwert von mehr als 10,6 Millionen Barrel täglich angestiegene US-Ölproduktion dämpft die Wirkung nur begrenzt, dabei übersteigt das Plus aktuell 500.000 Barrel pro Tag – und das allein seit Jahresbeginn. Im Gegenzug sinken jedoch die Lagerbestände, auch wenn die Daten der letzten Woche Gegenteiliges vermittelten, auf lange Sicht betrachtet. So ist es nicht verwunderlich, wenn Analysten derzeit von einem Defizit ausgehen, das den Markt auf mittlere Sicht komplett verkehren könnte: Steigt die Nachfrage nämlich deutlich, ist das aktuelle Lagerniveau nicht mehr ausreichend.

Geopolitische Risiken wirken sich auf Marktstimmung aus

Der Nahe Osten bleibt im Fokus der Marktteilnehmer, allerdings gehen die Gefahren für den Ölmarkt nicht nur von den Unsicherheiten in Syrien aus. Der Blick richtet sich auf den Iran, der immerhin die Nummer 3 unter den OPEC-Produzenten ist. Ziehen sich die USA wie angekündigt aus dem Atomabkommen zurück, stehen neue Wirtschaftssanktionen ins Haus – und die dürften sich auf die gerade wieder in Fahrt kommende Öl-Industrie auswirken. Von einem täglichen Produktionsrückgang um bis zu 500.000 Barrel täglich ist bereits die Rede, die Folgen auf den Ölpreis lassen sich leicht ableiten. Damit könnten die Konsequenzen der OPEC-Förderdrosselung faktisch umschlagen: Haben die Bemühungen bislang nur nach und nach die Lage verschärft, droht nun eine regelrechte Verknappung. Nicht zu vernachlässigen sind nämlich die Förderausfälle, die außerplanmäßig durch politische Unruhen in Venezuela verursacht wurden und die Angebotsseite zusätzlich geschwächt haben.

Erste Prognosen gehen von einem bis zum Jahresende ansteigenden Ölpreis von um die 80 US-Dollar je Fass der Sorte Brent aus. Diese Erwartungen fußen auf der Annahme, dass einerseits die geopolitischen Risiken zunehmen und andererseits eine Verengung des gesamten Angebots eintreten werden. An dieser globalen Situation ändert auch die weiterhin steigende Zahl der US-Förderanlagen nichts, aktuell sprudeln dort 834 Öl-Anlagen. Die Produzenten dürften sich über die gestiegenen Ölpreise freuen, machen sie doch vor allem das Fracking wirtschaftlich immer interessanter – für deutsche Autofahrer hingegen bleibt nur der tiefere Griff in die eigene Tasche.