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Rohölpreise: weiterhin unter Druck – keine Aufwärtstendenzen in Sicht

21 September 2020

Mit knapp 43 US-Dollar für das Fass geht die Ölsorte Brent in die neue Woche, auch der Preis für WTI bleibt mit 41 US-Dollar je Barrel weiter auf einem niedrigen Niveau – daran konnten auch die Wetterkapriolen im Golf von Mexico nichts Entscheidendes ändern. Nur Goldman Sachs sieht das anders.

Wetterbedingter Preisanstieg – wie lange hat er Bestand?

Der Golf von Mexiko ist dafür bekannt, regelmäßig von Hurrikanen heimgesucht zu werden. In den letzten Wochen waren dies Laura und Sally, aktuell werden weitere Stürme erwartet. Es musste der größte Teil der Förderanlagen geschlossen werden. Die logische Folge: Die Ölpreise konnten sich nach einer deutlichen Korrektur wieder auf das aktuelle Niveau erholen. Doch die Frage nach der Dauer dieser Preisstabilisierung ist durchaus berechtigt:

Schwache Nachfrage – Indien erwartet keine schnelle Erholung

Unter den Ölimporteuren dieser Welt rangiert Indien immerhin auf Platz drei, was den Nachfragerückgang um rund 7,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat in ein grelles Licht rückt. So stark war die Nachfrage seit April nicht mehr gefallen. Insbesondere Diesel spielt hier eine Rolle, die Nachfrage war besonders drastisch gefallen, was die Schwäche der indischen Wirtschaft widerspiegelt: Die rund 4,85 Millionen Tonnen Diesel, die im August nachgefragt worden waren, liegen fast 21 Prozent unter dem Vorjahresbedarf. Angesichts der deutliche steigenden Corona-Infektionen in Indien ist eine kurzfristige Trendumkehr nicht zu erwarten: Die Lager sind voll, die Frage erholt sich nur zögerlich – auf kurze Sicht trübt sich die Stimmung ein.

Risiken auf der Angebotsseite – OPEC-Disziplin schwindet

Das Ölkartell ist grundsätzlich daran interessierte, die Ölpreise stabil zu halten. Deswegen wurden Förderkürzungen vereinbart, um das Überangebot am Ölmarkt sukzessive abbauen zu können. Doch die Disziplin der Mitgliedsländer lässt zu wünschen übrig – und das lässt sich nachvollziehen: Einerseits lockt das Geschäft, wenigstens 40 US-Dollar für das Fass zu erzielen. Andererseits birgt nur die Kürzung der Ölförderung die Chance, der schwachen Nachfrage mit annehmbaren Preisen zu begegnen. In der Theorie. Um dem Vorhaben mehr Gewicht zu verleihen, haben die Ölminister mitgeteilt, gegen die Mitgliedsstaaten vorgehen zu wollen, die die Kürzungsvereinbarungen nicht einhalten. Der Effekt bleibt abzuwarten.

Und dann gibt es noch Goldman Sachs: Die Analysten gehen davon aus, dass der Ölmarkt im Defizit liegt, das sich im vierten Quartal auf rund 3 Millionen Barrel täglich belaufen soll. Das ließe eine Preissteigerung zu: auf 49 US-Dollar je Fass der Sorte Brent – und bis zum dritten Quartal des kommenden Jahres sogar auf 65 US-Dollar je Barrel. Abwarten.