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Rohölpreise widersetzen sich dem Trend: Januar-Niveau wieder erreicht

25 März 2018

Prägten am Donnerstag noch Gewinnmitnahmen das Bild auf dem Ölmarkt, durchbrach die Sorte Brent am Freitag zeitweise die Marke von 70 US-Dollar für das Fass. WTI notiert immerhin stabil über 65 US-Dollar je Barrel – und das bei neuen Rekorden in der US-Ölförderung.

Steigende Förderung in den USA – anhaltende OPEC-Kürzungen

In der vergangenen Woche markierte die US-Ölförderung mit über 10,4 Millionen Barrel täglich einen neuen Rekord. Der wieder gestiegene Ölpreis lässt hingegen auch die Kassen sprudeln, sodass die Öl-Industrie ihre Kapazitäten zumindest teilweise ausweitet. Auf der anderen Seite üben sich jedoch auch einige Förderunternehmen in Zurückhaltung, um die in vergangenen Zeiten gemachten Fehler nicht zu wiederholen. Da gleichzeitig eine relativ hohe Nachfrage mit weiterem Potenzial nach oben zu verzeichnen ist, gingen die Bestände an Destillaten, Benzin und Rohöl in den USA zurück. Allerdings importieren die USA auch weniger – und das bei steigenden Exporten.

Die Gründe für den Preisanstieg müssen demzufolge woanders gesucht werden – und hier rückt die OPEC in den Fokus: Erst deren Einigung auf eine Drosselung von rund 1,8 Millionen Barrel täglich der Förderung machte nämlich die Expansion der US-Förderung erst möglich. Die OPEC teilte mit, dass die Bestände wie gewünscht auf den Fünf-Jahres-Durchschnitt gesenkt werden würden. Allerdings blieb die Ankündigung der Beendigung der Drosselung aus, im Gegenteil, die OPEC scheint die Zusammenarbeit und Einigung mit den Förderländern und Russland über das laufende Jahr hinaus weiter vertiefen zu wollen. Goldman Sachs kam vor diesem Hintergrund zum Ergebnis, dass der Bestandsabbau wohl stärker als geplant ausfallen und somit der Brent-Preis bis zum Sommer auf bis zu 82,50 US-Dollar steigen könne.

Ölpreisanstieg trotz negativer Stimmung am Markt

Im Juni wird die OPEC darüber beraten, ob die Maßnahmen bis ins Jahr 2019 verlängert werden. Aus den entsprechenden Äußerungen des saudi-arabischen Energieministers al-Falih ließe sich auch ableiten, dass die OPEC derzeit keinen Spielraum für eine Produktionsausweitung sieht, was einem weiteren Preisanstieg entgegenstehen würde. Allerdings zeichnet sich in der aktuellen US-Politik weiteres Konfliktpotenzial ab: Mit dem neuen Nationalen Sicherheitsberater Bolton steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter und verschärfter US-Sanktionen gegen den Iran. Die USA sind auf das iranische Öl nicht angewiesen, für die EU stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar: Verknüpft Trump nun die Teilnahme an diesen Sanktionen mit der Möglichkeit, die EU weiterhin von den Strafzöllen auf Aluminium und Stahl auszunehmen, gerät die Europäische Union in eine Zwangslage – und der Ölpreis könnte weiter steigen.